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Der Euro: Erzfeind der aufstrebenden Märkte

BRÜSSEL – Die Währungen der aufstrebenden Märkte stürzen ein, und ihre Zentralbanken sind damit beschäftigt, die Geldpolitik zu straffen, in dem Versuch, die Finanzmärkte ihrer Länder zu stabilisieren. Wer ist schuld an dieser Lage?

Als die US Federal Reserve vor ein paar Jahren eine weitere Runde der „quantitativen Lockerung“ startete, beschwerten sich die Entscheidungsträger einiger Schwellenländer lautstark. Sie sahen im unbegrenzten Kauf langfristiger Wertpapiere durch die Fed einen Versuch, den Dollar aus Wettbewerbsgründen abzuwerten, und hatten Bedenken, dass die extrem laxen geldpolitischen Bedingungen in den Vereinigten Staaten eine Flut von „heißem Geld“ in ihre Länder strömen ließe, was ihre Währungen in die Höhe treiben würde. Dies würde, so befürchteten sie, nicht nur ihre Wettbewerbsfähigkeit im Export verringern und ihre Außenbilanzen in den Defizitbereich bringen, sondern es würde sie auch den harten Konsequenzen eines plötzlichen Stopps der Kapitalzuflüsse aussetzen, wenn die US-Entscheidungsträger ihren Kurs wechselten.

Auf den ersten Blick erscheinen diese Befürchtungen begründet zu sein. Der Titel eines vor kurzem vom Internationalen Währungsfonds veröffentlichten Aufsatzes drückt es prägnant aus: „Kapitalflüsse sind unbeständig: immer, überall.“ Die bloße Ankündigung, dass die Fed ihre unkonventionellen geldpolitischen Aktivitäten zurückfahren könnte, hat zu der aktuellen Kapitalflucht aus den Schwellenländern geführt.

Doch trifft diese Sichtweise nicht den wirklichen Grund, warum das Kapital in den letzten Jahren in die aufstrebenden Märkte geflossen ist und warum die Außenbilanzen von so vielen Schwellenländern ins Defizit geraten sind. Der wirkliche Schuldige ist der Euro.