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Wie die Inflation zurückkehren könnte

NEW YORK – Die Debatten über die Inflation in den Industrieländern haben sich in den letzten Jahrzehnten auffallend verändert. Abgesehen von Problemen der (Fehl-) Bewertung sind die Bedenken hinsichtlich einer lähmend hohen Inflation und der übermäßigen Macht der Anleihemärkte längst verschwunden. Die Sorge besteht nun vielmehr darin, dass eine allzu niedrige Inflation das Wachstum hemmen könnte.

Darüber hinaus verstärkten gestiegene Vermögenspreise das Risiko einer zukünftigen Instabilität im Finanzwesen, während anhaltend gedämpfte  – und im Falle von globalen Anleihen im Wert von beinahe 11 Billionen Dollar negative – Zinssätze womöglich zu einer Fehlallokation von Ressourcen führen und auf lange Sicht die finanzielle Sicherheit von Haushalten untergraben. Überdies sind die Anleger in hohem Maße (und durchaus freudig) von den Zentralbanken abhängig geworden, obwohl sie sich vorsichtigerweise eher vor ihnen fürchten sollten.

Auf ihrer Suche nach neuen Wegen, eine höhere Inflation herbeizuführen, favorisieren die großen Zentralbanken tendenziell eine zyklische Denkweise, wobei sie häufig auch auf die unzureichende Gesamtnachfrage verweisen. Was aber, wenn das die falsche Linse zur Betrachtung der aktuellen Situation ist und wir uns tatsächlich mitten in einem mehrstufigen Prozess befinden, im Rahmen dessen starke disinflationäre Kräfte auf der Angebotsseite letztlich den Weg für die Rückkehr zu höherer Inflation ebnen? In diesem Fall müssten geldpolitische Entscheidungsträger und Marktteilnehmer ein ganz anderes Chancen-Risiko-Paradigma berücksichtigen als sie es derzeit tun.

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