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Wie Indien die Finanzkrise überstand

NEU DELHI – Während sich die Weltwirtschaft erholt, blicken die Inder besonders zufrieden darauf zurück, wie sie mit der jüngsten Krise fertiggeworden sind. Trotz einer beispiellosen globalen Rezession blieb Indien die am zweitschnellsten wachsende Wirtschaft der Welt. Während die meisten Länder in mindestens einem Quartal in den letzten beiden Jahren negatives Wachstum verzeichnen mussten, wuchs Indiens BIP während dieses Zeitraums um über 6 % – und im letzten Quartal 2009 um 7,9 %.

Indiens Leistung ist umso beachtlicher, wenn man bedenkt, dass sich die pakistanischen Terroranschläge auf Mumbai – Indiens finanzielles Nervenzentrum und seine Handelshauptstadt – im späten November 2008 mitten in der Krise ereigneten. Die Terroristen schadeten dem weltweiten Image Indiens als aufstrebendem Wirtschaftsriesen, einer Erfolgsgeschichte aus dem Zeitalter der Globalisierung, und als Magnet für Investoren und Touristen.

Tatsächlich zogen Ende 2008 ausländische Investoren 12 Milliarden US-Dollar vom indischen Aktienmarkt ab. Doch Indiens Widerstandskraft gegenüber widrigen Umständen und seine wohldurchdachte Zurückhaltung angesichts gewaltsamer Provokation ermutigten die Investoren zur Rückkehr. 2008-2009 beliefen sich die ausländischen Direktinvestitionen trotz der globalen Finanzkrise auf insgesamt 27,3 Milliarden US-Dollar und erreichten im Mai 2009 in nur einer Woche 1 Milliarde Dollar.

Indien war unter anderem auch deshalb in der Lage, die wirtschaftlichen Stürme abzuwenden, weil es wesentlich weniger als die meisten anderen Länder von den globalen Handels- und Kapitalströmen abhängig ist. Etwa 20 % des indischen BIP gehen auf den Außenhandel zurück (für China ist die Zahl etwa doppelt so hoch). Der Rest entfällt auf den großen und stabilen Binnenmarkt des Landes. Die Inder produzierten weiterhin Waren und Dienstleistungen für andere Inder, und das ließ die Wirtschaft weiter brummen.