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Holocaustleugnung, Atomwaffenleugnung

Was verbindet Irans Atomambitionen mit dem Leugnen des Holocaust?

Mit dem gleichen Eifer verteidigt der iranische Präsident Machmud Achmadinedschad das Recht seines Landes, seine nukleare Kapazität zu entwickeln (obwohl er bestreitet, dass sein Land nach Atomwaffen strebt) und stellt Jahrzehnte der Holocaustforschung in Frage. Wie soll Achmadinedschads Bestreiten, dass Iran beabsichtigt Atomwaffen zu realisieren angesichts seines Leugnens des Holocaust beurteilt werden? Journalisten fragen, aber Achmadinedschad antwortet nicht. Sein Argument ist, dass Iran keine Atomwaffen will und diese nicht einsetzen würde, um ein Verbrechen zu wiederholen, das nicht stattgefunden hat.

Während sie Achmadinedschad Mangel an Sensibilität beklagen, haben einige Abendländer sich abgemüht, die Bedeutung seiner Holocaustleugnung auf das Wettern eines fehlgeleiteten Fanatikers zu reduzieren (als wäre fehlgeleiteter Fanatismus eine beiläufige Eigenschaft des Präsidenten einer Nation). Der wesentliche Punkt wird dabei verfehlt. Das Leugnen des Holocaust ist keine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Es ist eine Auseinandersetzung mit der Zukunft.

Der springende Punkt bei der Holocaustleugnung ist die Beseitigung des Tabus, das gegenwärtig mit dem echten Verbrechen assoziiert wird. Für Leugner besteht das Problem nicht darin, dass der Holocaust stattgefunden hat, sondern darin, dass die meisten Menschen ihn immer noch für etwas Schlechtes halten. In einem aufschlussreichen Satz des französischen Politikers Jean-Marie Le Pen wird Auschwitz demnach als ein “Detail der Geschichte” abgetan.