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Hollywoods Lieblingsbösewichte

In den Hollywood-Filmen von früher waren Amerikas Erzfeinde im Kalten Krieg, weiße Rassisten und bösartige Genies die Bösewichte Nummer eins. Das hat sich geändert. Heute werden zunehmend die multinationalen Konzerne als die Oberschurken unserer globalisierten Welt dargestellt. In den filmischen Darstellungen unserer Populärkultur beziehen sie die Prügel für all ihre Schleichwerbung und ihr raffiniertes Product-Placement.

Dieses Phänomen betrifft allerdings nicht nur Dokumentationen wie Michael Moores polemisches Werk Fahrenheit 9/11 oder The Corporation, ein ernsthaftes, wenn auch ziemlich paranoides Porträt der Rolle multinationaler Konzerne in der Globalisierung. Es erstreckt sich vielmehr auch auf Mainstream-Filme wie Der ewige Gärtner, in dem der idealistische Protagonist in einen Kampf mit einem bösartigen internationalen Pharmakonzern verstrickt ist, der das Elend Afrikas ausnützt, um neue Medikamente zu testen. 

Zwar kommt der menschenverachtende Konzern schon seit über hundert Jahren in Büchern und Filmen vor, aber so allgegenwärtig wie heute waren Bösewichte in Form von Unternehmen, vor allem multinationaler Konzerne, noch nie. 

Ist das unfair? Die meisten Konzerne sind doch im Grunde nichts anderes als praktische Einrichtungen, die sicherstellen, dass knappes globales Kapital mit maximaler Effizienz zu unser aller Nutzen eingesetzt wird. Verbringen die für ihre Liberalität bekannten Hollywood-Regisseure zu viel Zeit bei Antiglobalisierungsdemos? Vielleicht. Ich würde allerdings meinen, dass die Befürchtungen Hollywoods, wie uninformiert sie auch immer sein mögen, nur die Spitze eines wachsenden Eisbergs aus Ressentiments gegen die empfundenen Ungerechtigkeiten der Globalisierung sind.