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Geschichtliche Erinnerung und technisches Versagen

Der spanisch-amerikanische Poet und Philosoph George Santayana warnte einst, dass „diejenigen, die sich der Vergangenheit nicht erinnern, dazu verurteilt sind, sie noch einmal zu erleben". Das gilt besonders im Bereich Brückenbau, wo sich in den letzten 150 Jahren in bemerkenswert regelmäßigen Intervallen dramatische Einstürze ereigneten.

Im Jahr 1847 kam es in Chester zum ersten Brückeneinsturz in dem sich erweiternden englischen Eisenbahnnetz. Die Brücke über den Dee, deren guss- und schmiedeeiserne Konstruktion dem damals üblichen technischen Standard entsprach, stürzte samt einem die Brücke passierenden Zug ein und riss sämtliche Insassen in den Tod. Die anschließende Untersuchung ergab, dass die Konstruktion, damals die längste ihrer Art, einfach zu weit über die technischen Grenzen des Brückenbaus hinausging.

Im Jahr 1879 verband die damals längste Brücke der Welt die beiden Ufer des Tay im schottischen Dundee. Mit ihren geringen Stützweiten wies die Konstruktion keine radikalen technischen Neuerungen auf und schien lediglich die Anwendung erprobter Technik zu sein. Dennoch wurde die Kraft des Windes stark unterschätzt und die Ausführung der Arbeit war mangelhaft. Die anfällige Brücke über den Tay wurde schließlich während eines Sturms von ihren Stützpfeilern gerissen.

Im Jahr 1907 baute man in der Nähe von Quebec in Kanada eine Brücke mit der damals größten Spannweite der Welt über den St.-Lorenz-Strom. Die Konstruktion in Form einer Auslegerbrücke war relativ neu und gerade in Mode. Obwohl sie nur etwas länger als die höchst erfolgreiche Auslegerbrücke über den Firth of Forth in der Nähe des schottischen Edinburgh war, stürzte die Brücke in Quebec aufgrund ihrer unzureichenden Konstruktion ein, noch bevor sie überhaupt fertiggestellt war.