Kissinger Stephane de Sakutin/Getty Images

Wie Dr. Seltsam lernte, Trump zu lieben

PARIS – Auf den ersten Blick scheinen der ehemalige Nationale Sicherheitsberater und US-Außenminister Henry Kissinger und der designierte US-Präsident Donald Trump nichts gemeinsam zu haben. Auf der einen Seite haben wir den erfahrenen, gewieften, großen alten Mann der US-Diplomatie und auf der anderen poltert der ungeschliffene, grölende, archetypische Mann auf Twitter.

Und dennoch lobte Kissinger Trump im Rahmen eines Fernsehauftritts in der CBS-Sendung Face the Nation überschwänglich und bezeichnete ihn als „Phänomen.“ Die Wortwahl ist faszinierend: normalerweise werden Menschen mit hohem Fachwissen, Künstler, Weltklasse-Athleten oder Rockstars als „Phänomen“ bezeichnet.

Vor sechzig Jahren war der junge Kissinger eifrig bemüht, den Amerikanern die komplexe Geschichte Europas und dessen geheimnisvollen diplomatischen Stil näher zu bringen. Er wollte, dass amerikanische Spitzenpolitiker solchen Koryphäen ihres Fachs wie Klemens von Metternich und Otto von Bismarck ähneln. Aber wie es Literaturnobelpreisträger Bob Dylan in berühmten Worten formulierte: „The times, they are a-changin’.”  Heute möchte Kissinger der Welt Trumps einzigartig „amerikanischen Stil“ näherbringen – eine Umkehr, die möglicherweise Ausdruck seiner Enttäuschung über den Fehlschlag seines ursprünglichen Vorhabens ist. 

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