4

Was der Iran in 2014 will

TEHERAN – Als Kandidat habe ich im iranischen Präsidentschaftswahlkampf versprochen, eine Balance aus Realismus und dem Streben nach Umsetzung der Ideale der Islamischen Republik herzustellen – und mit großem Abstand die Unterstützung der iranischen Wähler gewonnen. Kraft des mir vom Volke erteilten Auftrages bekenne ich mich zu Mäßigung und gesundem Menschenverstand, die heute die Politik meiner Regierung in allen Bereichen leiten. Dieses Bekenntnis führte unmittelbar zu der im November in Genf erzielten vorläufigen internationalen Vereinbarung über das iranische Atomprogramm. Es wird unsere Entscheidungsprozesse auch 2014 leiten.

Außenpolitisch ist meine Regierung dabei, frühere extreme Ansätze hinter sich zu lassen. Wir sind bestrebt, wirksame, konstruktive diplomatische Beziehungen herzustellen und konzentrieren uns auf gemeinsame vertrauensbildende Maßnahmen mit unseren Nachbarn und anderen regionalen und internationalen Akteuren. Dies wird es uns ermöglichen, unsere Außenpolitik auf die wirtschaftliche Entwicklung im eigenen Lande auszurichten. Zu diesem Zweck werden wir darauf hinarbeiten, die Spannungen in unseren Beziehungen zum Ausland abzubauen und unsere Verbindungen gegenüber traditionellen und neuen Partnern gleichermaßen zu stärken. Dies erfordert offensichtlich die Herstellung eines Konsenses im Iran selbst und transparente Zielfestlegungen – Prozesse, die inzwischen angelaufen sind.

Während wir Konfrontation und Antagonismus vermeiden werden, werden wir zugleich aktiv unsere übergeordneten Interessen verfolgen. Freilich können in einer zunehmend vernetzten und interdependenten Welt Herausforderungen nur durch Interaktion und aktive Zusammenarbeit zwischen den Staaten erreicht werden. Kein Land – auch nicht die Großmächte – kann die vor ihm liegenden Herausforderungen wirksam allein bewältigen.

Tatsächlich legt die „Aufholjagd“ der Entwicklungs- und Schwellenländer beim Wachstum nahe, dass ihr wirtschaftliches Gesamtgewicht das der hoch entwickelten Welt in Kürze übertreffen wird. So dürften 2030 fast 60% vom globalen BIP auf die heutigen Entwicklungs- und Schwellenländer entfallen – gegenüber rund 40% im Jahre 2000 –, was diese Länder in die Lage versetzen wird, eine deutlich größere Rolle auf der Weltbühne zu spielen.