6

Der große Moment der Sonderziehungsrechte

NEW YORK – Bei der jüngsten Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in der peruanischen Hauptstadt Lima standen Gespräche über die Schwächen mehrerer Entwicklungs- und Schwellenländer im Vordergrund. Wenig Beachtung fand in den Diskussionen hingegen eine der wichtigsten Ursachen dieser Schwäche: das internationale Währungssystem. Im nächsten Monat wird man im IWF-Direktorium dieses Thema erneut intensiv besprechen, doch welche konkreten Maßnahmen der Fonds ergreifen wird, bleibt offen. 

Das Problem, mit dem Schwellen- und Entwicklungsländer konfrontiert sind, hat seinen Ursprung in dem Umstand, dass ihre Kapitalzuflüsse einem strikt prozyklischen Muster folgen. In Zeiten, da diese Länder rasch wuchsen – insbesondere im Vergleich zu den Industrieländern – zogen sie massiv Kapital an. Als sich die Risiken dann allerdings vervielfachten, begann das Kapital wieder in das Ausgabeland einer Reservewährung zu fließen – nämlich in die Vereinigten Staaten. Dort werden die Zinsen wohl bald angehoben und der Dollar hat gegenüber nahezu allen Weltwährungen aufgewertet.

In der Vergangenheit führte dieses Muster letztlich immer zu einer Korrektur, wobei Amerikas wachsendes Leistungsbilanzdefizit schließlich eine Abwertung des Dollars mit sich brachte. Allerdings waren derartige Korrekturen - in den Jahren 1979-1980, 1990-1991 und 2007-2008 – immer auch mit einem weltweiten Abschwung oder einer Krise verbunden.  

Dies unterstreicht das Grundproblem der Verwendung des US-Dollars, einer nationalen Währung, als primäre internationale Reservewährung der Weltwirtschaft. Der belgische Ökonom Robert Triffin verwies in den 1960er Jahren erstmals auf dieses Problem -  das seither als  „Triffin-Dilemma”  bezeichnet wird. Er erkannte den grundsätzlichen Konflikt zwischen nationalen Zielen wie der Beschränkung des Zahlungsbilanzdefizits und internationaler Gebote wie der Bereitstellung von ausreichend Liquidität zur Befriedigung der Nachfrage nach Währungsreserven. Aufgrund dieses Systems unterliegt die Weltwirtschaft auch dem zyklisch schwankenden Vertrauen in den US-Dollar und liefert sie einer nationalen Autorität aus – die den internationalen Auswirkungen ihrer Entscheidungen oftmals nur wenig Beachtung schenkt.