Paul Lachine

Hat wirtschaftliche Macht die militärische Macht ersetzt?

CAMBRIDGE, MASS.: Am Ende des Kalten Krieges erklärten einige Experten, dass die „Geoökonomie“ die Geopolitik ersetzt habe. Wirtschaftliche Macht würde der Schlüssel zum Erfolg in der Weltpolitik werden – eine Veränderung, die (so dachten viele) eine von Japan und Deutschland dominierte Welt einläuten würde.

Heute meinen manche, dass die Zunahme des chinesischen Anteils an der weltweiten Produktion einen fundamentalen Wandel im Gleichgewicht der Weltmächte bedeute, ohne dabei jedoch die militärische Macht zu berücksichtigen. Sie argumentieren, eine dominante Wirtschaftsmacht würde ohnehin schnell zur dominanten Militärmacht, und vergessen dabei, dass die Vereinigten Staaten 70 Jahre lang die größte Volkswirtschaft der Erde waren, bevor sie eine militärische Supermacht wurden.

Politische Beobachter debattieren seit langem, ob wirtschaftliche oder militärische Macht grundlegender ist. Die marxistische Tradition betrachtet die Wirtschaft als grundlegende Struktur der Macht und die politischen Institutionen als bloßen Überbau – eine Annahme, die auch die Liberalen des 19. Jahrhunderts teilten, die der Ansicht waren, die wachsende Interdependenz im Handel und Finanzwesen würde den Krieg obsolet machen. Doch obwohl Großbritannien und Deutschland 1914 jeweils größter Handelspartner des anderen waren: Einen Flächenbrand, der die Integration der Weltwirtschaft um ein halbes Jahrhundert zurückwarf, verhinderte dies nicht.

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