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Die neue Ungleichheit

PRINCETON – Die politischen Reaktionen auf die Finanzkrise von 2008 waren von Anfang an von Erinnerungen und Interpretationen in Bezug auf die Große Depression durchfärbt. Heute ist die allgemeine Lesungsart, dass die Welt vor allem deshalb eine Wiederholung der Katastrophe der Zwischenkriegszeit vermieden habe, weil die Politik diesmal bessere Entscheidungen gefällt habe. Doch obwohl es eine Menge Gründe gibt, uns selbst auf die Schulter zu klopfen, werfen zwei Aspekte des auf die Krise folgenden Aufschwungs einen Schatten auf den Jubel.

Erstens ist die Erholung trotz beispielloser Expansion der Geldmenge und massiver Steuerimpulse bisher bemerkenswert schwach und fragil ausgefallen. In der Eurozone hat die Schuldenkrise eine scharfe Hinwendung zur Haushaltskonsolidierung – und damit einen Rückfall in die Rezession – ausgelöst. Doch selbst in den USA, wo es zunächst eine Menge Konjunkturimpulse gab, dürfte die langfristige Wachstumsrate auf absehbare Zeit deutlich unter Vorkrisenniveau verharren.

Der stockende Aufschwung erinnert an die 1930er Jahre, als viele prominente Ökonomen, darunter John Maynard Keynes und sein führender amerikanischer Exponent Alvin Hansen, zu der Ansicht gelangten, dass die Welt in eine Phase langfristiger Stagnation eingetreten sei. Aus ihrer Sicht hatten sich die Vitalität und Dynamik der Industriellen Revolution erschöpft, ohne dass es etwas gab, das an ihre Stelle treten und das Wirtschaftswachstum aufrechterhalten könnte.

Das zweite Caveat bezüglich der Welt nach der Krise ist sogar noch alarmierender. Viele Länder reagierten auf die Große Depression, indem sie Strategien umsetzten, um die Unterschiede bei Vermögen und Einkünften zu verringern. Daher schien jene extreme soziale und wirtschaftliche Ungleichheit, die die Industrieländer zuvor gekennzeichnet hatte, in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu verschwinden.