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Mürrische alte Männer

LONDON –  Mit dem Erreichen des Rentenalters habe ich mir die Berechtigung erworben, als mürrischer alter Mann zu agieren. Ich sollte meine Kinder und die Studenten an der Universität Oxford, wo ich Kanzler bin, mit meinem Gejammer langweilen, wie alles vor die Hunde geht. Allerdings sehe ich die Dinge nicht ganz so.

Ich kam im Jahr 1962 an die Universität. Mein erstes Semester fiel zeitlich mit der Kuba-Krise zusammen. Die Welt schien am Rande einer Atomkatastrophe zu stehen. Das waren die Zeiten, als der Weltfrieden durch eine Konzept aufrechterhalten wurde, das treffenderweise als MAD -  wechselseitig zugesicherte Zerstörung  - bekannt war. War diese Welt schlechter und gefährlicher als heute, da unsere wichtigsten nuklearen Sorgen darin bestehen, wie man die Weiterverbreitung verhindern und jenen Vertrag stärken kann, der diese Weiterverbreitung in der letzten Generation verhindert hat?

Nach meinen Jahren in Oxford ging ich als Student in die USA und besuchte Alabama. Sie erinnern sich vielleicht an die Geschichte von Richard Nixon, als er die Unabhängigkeitsfeierlichkeiten in Ghana besuchte. Bei einem Galaempfang wandte er sich an einen Gast, den er irrtümlich für einen Einheimischen hielt und fragte ihn, wie denn das so sei, wählen zu können und unter dem Schutz des Rechtsstaates die Freiheit zu genießen. „Ich kann das nicht wissen“, antwortete der Mann, „ich bin aus Alabama“.

Während meines Erwachsenenlebens bewegten wir uns von der Ermordung von Bürgerrechtsaktivisten in den USA bis zur Wahl eines schwarzen Präsidenten. Nichts worüber man nörgeln könnte.