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Etwas Sand im Getriebe ist gut

PARIS: Die Vereinigten Staaten werden weithin als Ort mit den stärksten, liquidesten und effizientesten Kapitalmärkten der Welt anerkannt. Amerikas Finanzsystem unterstützt eine effiziente Kapitalallokation, Wirtschaftsentwicklung und Schaffung von Arbeitsplätzen.

Diese und ähnliche Phrasen sind seit Jahrzehnten Gemeinplätze unter amerikanischen Parlamentariern, Regulierern und Finanzunternehmen. Selbst im Gefolge der 2008 ausgebrochenen Finanzkrise perlen sie in hunderten von Eingaben gegen die so genannte Volcker-Regel (die es den Banken verbieten würde, Eigeninvestments zu tätigen) von den Textverarbeitungssystemen. Der flüchtige Leser nickt und liest weiter.

Doch es gibt Anzeichen, dass diese Annahmen jetzt in Frage gestellt werden. Vor der Krise konzentrierten sich die Regulierungsbehörden vorwiegend darauf, Handelsbarrieren abzubauen, und favorisierten im Allgemeinen Maßnahmen, die die Märkte kompletter machten, indem sie schnellere, preiswertere Handelstranstransaktionen mit einer breiteren Vielzahl an Finanzansprüchen förderten. Dies ist heute nicht mehr der Fall. Im Gegenteil: Heute wird die Annahme, dass größere Markteffizienz immer und überall ein öffentliches Gut darstellt, von vielen in Frage gestellt.

Könnte eine derartige Leichtigkeit und Effizienz nicht auch die Instabilität der Märkte anheizen und den Interessen der Mittler und gar nicht denen ihrer Klienten dienen? Formulierungen wie „Sand im Getriebe“ und „Dreck in der Muschel“, die 2006 in den Tagen vor dem Sündenfall noch abschätzig verwendet wurden, dienen jetzt dazu, Regulierungs- oder Fiskaländerungen zu unterstützen, die den Handel bremsen und sein Volumen verringern könnten.