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Die Kosten eines Grexit

PARIS – Nach Tagen angespannter Diskussionen hat die neue Regierung in Athen Anfang dieser Woche eine Einigung mit ihren Gläubigern der Eurogruppe erzielt, die eine Reihe sofortiger Reformen und eine Verlängerung des Hilfsprogramms um vier Monate beinhaltet. Doch ungeachtet des kollektiven Seufzers der Erleichterung in Europa über den Kompromiss, bleibt die Notwendigkeit bestehen, weitere zähe Verhandlungen über ein neues Hilfsprogramm zu führen, das bis Ende Juni vorgestellt werden sollte.

Die Kosten, die auf die einzelnen Beteiligten zukämen, wenn keine Einigung zustande kommt, sind bei allen Verhandlungen eine maßgebliche Größe, die das Verhalten der Protagonisten und somit das Verhandlungsergebnis beeinflusst. In diesem Fall geht es um die Kosten eines Ausscheidens Griechenlands („Grexit“) aus der Eurozone – eine Aussicht, die während der jüngsten Verhandlungen ausführlich in den Medien diskutiert worden ist und mit erheblichen Spekulationen über die Haltung der verschiedenen Akteure verbunden war, vor allem der griechischen und der deutschen Regierung.

Aus der Perspektive Griechenlands würde ein Ausscheiden aus dem Euro zu erheblichen Verwerfungen führen, was erklärt, warum es hierfür im Land nur sehr wenig Unterstützung gibt. Aber wie steht es mit den Kosten eines Grexit für den übrigen Euroraum? Seitdem die Frage 2011-2012 zum ersten Mal aufgeworfen wurde, gibt es zwei gegensätzliche Auffassungen.

Eine Sichtweise – die sogenannte Domino-Theorie – geht davon aus, dass sich die Märkte im Falle eines Ausscheidens von Griechenland sofort fragen würden, welches Land das nächste ist. Das Schicksal anderer Länder würde infrage gestellt, so wie bei den Währungskrisen in Asien 1997-98 oder der europäischen Staatsschuldenkrise 2010-2012. Die Folge könnte ein Zerfall der Eurozone sein.