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Schutz vor dem Sturm in Europa

LAGUNA BEACH – Es senken sich derzeit dunkle Wolken über Europas wirtschaftliche Zukunft. Drei deutlich unterscheidbare Stürme bauen sich auf: die Griechenlandkrise, der russische Einfall in der Ukraine und der Aufstieg populistischer Parteien. Obwohl jeder davon eine erhebliche Gefahr darstellt, ist Europa – auch dank der jüngsten zyklischen Erholung – in der Lage, sie jeweils für sich zu bewältigen, ohne dabei mehr als eine vorübergehende Reihe von Störungen zu riskieren. Falls sie sich freilich zu einer Art „perfektem Sturm“ zusammenballen, dürfte eine Rückkehr zu sonnigen Tagen auf absehbare Zeit sehr schwierig werden.

Wie es derzeit aussieht, befinden sich die drei Stürme in unterschiedlichen Stadien ihrer Entwicklung. Von der seit Jahren im Aufbau befindlichen Griechenlandkrise gehen derzeit die heftigsten Böen aus. Über seinen potenziellen Austritt aus der Eurozone als erstes Land überhaupt hinaus könnte Griechenland Gefahr laufen, als Staat zu scheitern – ein Ergebnis, von dem für das übrige Europa vielschichtige Bedrohungen ausgehen würden. Die Abmilderung der (mit grenzübergreifender Migration verbundenen) negativen humanitären Folgen und die Bewältigung der geopolitischen Auswirkungen dieses Sturms wären nicht einfach.

Der zweite, vom Osten aus auf die EU zurollende Sturm ist der kostspielige Militärkonflikt im ukrainischen Donezbecken. Die Krise in der Ostukraine wird durch das Minsk-II-Waffenstillstandsabkommen bisher nur teilweise eingedämmt und spiegelt den tiefsten Riss in der Beziehung des Westens zu Russland seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion dar.

Eine weitere russische Einmischung in der Ukraine – direkt und/oder über separatistische Stellvertreter im Donezbecken – würde den Westen vor eine schwerwiegende Entscheidung stellen. Er müsste entweder die Sanktionen gegenüber Russland verschärfen und würde damit möglicherweise Westeuropa in die Rezession stürzen (wenn nämlich Russland mit Gegensanktionen reagiert), oder er müsste die expansionistischen Ziele Russlands hinnehmen und würde so andere Länder mit russischsprachigen Minderheiten (einschließlich der der EU angehörenden baltischen Staaten) gefährden.