18

Griechenland muss raus aus dem Euro

NEW YORK: Die griechische Eurotragödie nähert sich ihrem letzten Akt: Es ist klar, dass Griechenland entweder dieses oder nächstes Jahr höchstwahrscheinlich insolvent sein und die Eurozone verlassen wird.

Auch wenn nach den Wahlen im Juni eine neue Regierung, die sich zu einer Variante der gleichen alten gescheiterten Politik (rezessionäre Austerität und Strukturreformen) bekennt, den Ausstieg hinausschiebt, lassen sich Wachstum und Konkurrenzfähigkeit so nicht wieder herstellen. Griechenland steckt in einem Teufelskreis von Insolvenz, verlorener Konkurrenzfähigkeit, Leistungsbilanzdefiziten und einer sich stetig verschlimmernden Depression. Der einzige Weg, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, besteht in der – von der Europäischen Zentralbank, der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (der „Troika“) finanzierten – Einleitung einer geordneten Insolvenz und dem Ausstieg aus dem Euro, die die Kollateralschäden für Griechenland und die übrige Eurozone auf ein Minimum beschränken.

Der Schuldenschnitt im Rahmen des von der Troika überwachten Refinanzierungspakets für Griechenland war für das Land viel zu gering. Doch selbst bei einem deutlich größeren Erlass der griechischen Staatsschulden könnte Griechenland nicht wieder wachsen, wenn es nicht rasch seine Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellt. Und ohne Wachstum bleibt seine Schuldenlast untragbar. Alle Optionen jedoch, die eine Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes herbeiführen könnten, erfordern eine reale Währungsabwertung.

Die erste Option, eine deutliche Schwächung des Euro, ist unwahrscheinlich, da Deutschland stark ist und die EZB die Geldpolitik nicht in aggressiver Weise lockert. Eine schnelle Senkung der Lohnstückkosten durch Strukturreformen, die dafür sorgen, dass das Produktivitätswachstum die Lohnzuwächse übersteigt, ist genauso unwahrscheinlich. Deutschland hat zehn Jahre gebraucht, um seine Wettbewerbsfähigkeit auf diese Weise wiederherzustellen; Griechenland kann nicht ein Jahrzehnt in einer Depression verharren. Und auch eine rasche Preis- und Lohndeflation (auch als „interne Abwertung“ bezeichnet) würde zu einer fünf Jahre langen, sich stetig vertiefenden Depression führen.