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Adieu Dollar?

CAMBRIDGE – Vielleicht sollten die höchsten Repräsentanten der Finanzwelt, die sich diesen Monat zur Jahrestagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds in Washington einfinden, froh sein, dass es bisher keine eindeutige Alternative zum Dollar als globale Leitwährung gibt. Wäre der Euro nämlich schon soweit, könnte es sehr wohl sein, dass sein Wechselkurs auf über 2 Dollar ansteigt und nicht nur auf 1,65 oder 1,70 Dollar, wie es ohnehin zu kommen scheint. Man kann seine Kunden nicht derart schlecht behandeln, wie es die USA in letzter Zeit gemacht haben, wenn diese Kunden auch anderswo hingehen können.

Nachdem die USA historisch beispiellose Handelsdefizite angehäuft haben, ist der Wert des handelsgewichteten Dollars in den letzten sechs Jahren um über ein Viertel gefallen. Angesichts einer High-Tech-Ökonomie, eines schwer angeschlagenen Finanzsystems und ernsthafter Bedenken hinsichtlich der steigenden Inflation, zeigt der langfristige Trend des Dollars nach unten und zwar ungeachtet des Ausganges der momentanen Krise. Und die ist noch nicht vorüber.

Die Rettungsaktion der Federal Reserve für das Finanzsystem wird wahrscheinlich keine nachhaltige Wirkung haben, wenn die Banken kein frisches Kapital finden und zwar sehr viel davon. Ultrareiche staatliche Investmentgesellschaften hätten die nötigen Mittel, um die US-Banken zu retten. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings unwahrscheinlich, dass sie Lust dazu haben, obwohl das politische System der USA dies durchaus ermöglichen würde. Angesichts der anhaltenden Kreditkrise und des fortgesetzten Verfalls der Häuserpreise scheint eine gigantische staatliche Rettungsaktion zunehmend wahrscheinlich, die den amerikanischen Steuerzahlern möglicherweise eine Billion Dollar oder noch mehr kosten könnte. Die Frage dabei ist, ob globale Investoren nach so vielen Jahren miserabler Renditen auf Dollar-Vermögenswerte wirklich willens sein werden, eine weitere Billion Dollar an US-Schulden zu gegenwärtigen Zinssätzen und Wechselkursen zu übernehmen. 

Selbst ohne den fallenden Dollar erscheinen US-Schulden momentan nicht gerade wie eine Okkasion. Militärische Fehlschläge in entlegenen Regionen belasten weiterhin die haushaltspolitischen Ressourcen des Landes. Laut einer  von Linda Bilmes und Joseph Stiglitz jüngst durchgeführten Studie könnten die Kosten für diese Militärabenteuer in den Bereich von Billionen Dollar gehen.