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Auf Wiedersehen, „Globalisierung“

FLORENZ – Der Begriff „Globalisierung“ eroberte die Welt zunächst in den 1990er Jahren und erreichte den Höhepunkt seiner Popularität in den Jahren 2000 und 2001. Im Jahr 2001 enthielt Le Monde beispielsweise über 3500 Verweise auf die mondialisation. Doch dann fiel die Zahl beständig – bis 2006 um über 80 %. Seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 ist der Gebrauch des Wortes in großen Zeitungen wie der New York Times und der Financial Times noch weiter zurückgegangen. Die Globalisierung ist auf dem Rückzug.

Eine kurze Geschichte des Ausdrucks und ein Vergleich mit einem anderen Begriff, der auch durch Überbeanspruchung in Misskredit geraten ist, können erklären, was geschehen ist.

Die beiden wichtigsten begrifflichen Innovationen des zwanzigsten Jahrhunderts, „Totalitarismus“ und „Globalisierung“, sind italienischen Ursprungs. Der erste Begriff kennzeichnete die turbulente Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, der letzte sein mildes Ende. Der „Totalitarismus“ löste sich 1989 endgültig auf, und die Globalisierung setzte sich durch.

Beide Begriffe waren ursprünglich kritische Ausdrücke, die die politischen Tendenzen, die sie beschrieben, untergraben und umstoßen sollten. Doch beide wurden ebenso häufig und enthusiastisch von den jeweiligen Befürwortern dieser Tendenzen benutzt.