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Gott sprengt die Tea Party

OXFORD – Wo bleibt Gott in den USA? Es gab schon immer Spannungen zwischen der Seite der Trennung von Kirche und Staat, die in der US-amerikanischen Verfassung verankert ist, und der anderen Seite regelmäßiger religiöser Aufwallungen, sogar religiösem Extremismus, der den politischen Prozess bestimmen oder gar  dominieren will.

Nirgends ist diese Spannung heute offenkundiger als im Kampf um die politische Seele der Tea Party. Da die Koalition der religiösen Rechten, die das konservative Amerika seit den 1980er Jahren dominiert, auseinander zu fallen beginnt, versuchen gewisse christlich-fundamentalistische Elemente die ursprünglich nicht sektiererische Tea Party zu absorbieren, einige würden sogar sagen, zu übernehmen.

Die Tea Party ist aus einer lobenswerten basisdemokratischen Bewegung hervorgegangen: Liberale, leidenschaftliche Verfechter der Verfassung und normale Menschen waren alarmiert angesichts der Unterdrückung der Freiheiten, egal ob durch George W. Bush oder Barack Obama. Liberale unterstützen natürlich normalerweise die Trennung zwischen Kirche und Staat: Wer nicht will, dass sich der Staat in sein Leben einmischt, will bestimmt nicht, dass der Staat ihm vorschreibt, wie er zu beten habe.

Dieses Misstrauen gegen das Establishment hat in den USA eine lange Tradition, wo die Trennung zwischen Kirche und Staat – im späten achtzehnten Jahrhundert ein radikales Unterfangen – von der Erfahrung religiöser Minderheiten wie Quäkern, Hugenotten und Puritanern vorangetrieben wurde, die in Großbritannien und Frankreich aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt wurden.