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Die Globalisierung der Krise

PRINCETON – Wenn die Turbulenzen, die der Weltwirtschaft seit 2008 zusetzen auch eine positive Seite haben, dann ist es der Umstand, dass sie nicht überall auf der Welt gleichzeitig in Erscheinung traten. Der erste Schlag kam in Form der amerikanischen Subprime-Hypothekenkrise, auf die man in Europa mit selbstgefälligen Betrachtungen zur überlegenen Widerstandskraft seines sozialen Modells reagierte. Als dann im Jahr 2010 in Europa die Schuldenkrise ausbrach, waren die Amerikaner mit Schadenfreude an der Reihe, während die asiatischen Länder den überdehnten Wohlfahrtsstaat als die Wurzel des Problems ausmachten. 

Heute dreht sich alles um den Abschwung in China und die Nöte an den Börsen des Landes. Tatsächlich mögen die Ereignisse in China manchen als eine moderne Version des amerikanischen Börsenkrachs des Jahres 1929 erscheinen – als ein Schock der die Welt erschüttert. Aber nicht nur die chinesische Wirtschaft befindet sich in Turbulenzen; Russland und Brasilien sind in noch schlechterem Zustand. 

Die Globalisierung verbindet weit voneinander entfernte Menschen und Ökonomien, weswegen die Folgen dieser Entwicklung nicht immer berechenbar - oder willkommen - sind. Und da die Wirtschaftskrise in ihrem Wesen immer globaler wird, besteht die nächste Herausforderung für politische Entscheidungsträger darin, die Auswirkungen der globalen Krise in ihren jeweiligen Ländern abzumildern – und den Impuls ihrer Wähler einzudämmen, das Engagement im Rest der Welt zu verringern.

Mittlerweile ist klar geworden, dass jede Erfolgsgeschichte auch eine Schattenseite hat und dass keine Ökonomie raketenhafte Aufstiege endlos fortsetzen kann. Aber in Anlehnung an Leo Tolstoi ist es von Bedeutung daran zu erinnern, dass jede unglückliche Volkswirtschaft auf ihre eigene Weise unglücklich ist, und dass Problemlösungen, die sich für das eine Land eignen, im anderen Land möglicherweise nicht funktionieren.