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Wenn die Globalisierung ihre Kinder frisst

PRINCETON – Die Beweise für eine Umkehr der Globalisierung häufen sich: Der Handel und die internationalen Kapitalströme sind träge und Migration wird zunehmend eingeschränkt. Diese Entwicklungen haben nach der Finanzkrise 2008 eingesetzt und lassen sich somit keiner neuen populistischen Gegenreaktion auf die Globalisierung zuschreiben. Ihr Ursprung ist vielmehr auf das Versagen nationaler Behörden zurückführen, die Logik der Globalisierung ernst zu nehmen.

In einem Jahr, in dem das Vereinigte Königreich für den Brexit aus der Europäischen Union gestimmt hat und die Republikaner in den Vereinigten Staaten Donald Trump zu ihrem Präsidentschaftskandidaten gekürt haben, scheint gegen die Globalisierung gerichteter Populismus tatsächlich allgegenwärtig. Es ist zwar verlockend, Populismus als einen Grund für die globalen wirtschaftlichen Probleme zu betrachten, doch tatsächlich hat die Bewegung bislang nur begrenzt politische Erfolge erzielt.

Schließlich ist die Weltwirtschaft nicht ins Stottern geraten, weil Polen und Ungarn populistische Rechtsregierungen haben, die sich der erneuten Bekräftigung der nationalen Souveränität verschreiben. Der Linkspopulismus seinerseits hat noch weniger Grund zu prahlen: Fidel Castro in Kuba wird immer schwächer; Argentinien erholt sich von der katastrophalen Misswirtschaft unter den Präsidentschaften von Néstor Kirchner und Cristina Fernández de Kirchner und Venezuelas Wirtschaft ist unter Präsident Nicolás Maduro zusammengebrochen.

Ein Grund, warum die Globalisierung in Bedrängnis geraten ist, sind Entscheidungen, die von Regierungen unter der Ägide einer offenen internationalen Ordnung getroffen wurden. Doch vor allem wird sie von gerichtlichen und quasi-gerichtlichen Entscheidungen in Mitleidenschaft gezogen, mit denen hohe Geldstrafen gegen ausländische Unternehmen verhängt werden.