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Globale Ungleichgewichte ohne Tränen

CAMBRIDGE – Ärzte wissen seit langem, dass nicht nur wie viel man isst, sondern was man isst, sich förderlich oder schädigend auf die Gesundheit auswirkt. Ebenso haben Wirtschaftswissenschaftler seit langem bemerkt, dass es bei Ländern, die ein hohes Maß an Kapitalzuflüssen aufnehmen, einen großen Unterschied zwischen Schuldtiteln und aktienähnlichen Investitionen gibt, wozu unter anderem Wertpapiere und ausländische Direktinvestitionen zählen.

Während nun also die politischen Entscheidungsträger und Experten über anhaltende, übergroße Handelsungleichgewichte schimpfen, müssen wir erkennen, dass die wirklichen Probleme von exzessiven Schuldenkonzentrationen herrühren. Würden die G-20-Regierungen das Problem mit Abstand betrachten und sich fragen, wie ein wesentlich größerer Anteil der Ungleichgewichte in aktienähnliche Wertpapiere umgelenkt werden kann, könnte das daraus entstehende globale Finanzsystem möglicherweise wesentlich robuster sein als das krisenanfällige System, das wir zurzeit haben.

Leider sind wir sehr weit von der idealisierten Welt entfernt, in der Finanzmärkte Risiken effizient streuen. Nahezu drei Viertel des aktuellen Finanzanlagevermögens von ungefähr 200 Billionen USD stecken in verschiedenartigen Schuldinstrumenten, z. B. Bankendarlehen, Industrieanleihen und Staatsanleihen. Der Derivatemarkt trägt gewiss dazu bei, das Risiko wesentlich breiter zu streuen, als diese oberflächliche Berechnung nahelegt, aber der grundlegende Aspekt bleibt bestehen.

Es gibt bestimmt einige gute ökonomische Gründe, warum die Kreditgeber einen derart unersättlichen Appetit auf Schulden haben. Unvollständige Informationen und Schwierigkeiten beim Überwachen von Firmen stellen bedeutsame Hindernisse für idealisierte Instrumente zur Risikoteilung dar.