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Kann die synchronisierte Stagnation gestoppt werden?

ITHACA – Der weltweite wirtschaftliche Abschwung geht in eine synchronisierte Stagnation über. Einige große Volkswirtschaften wachsen nur schwach und andere so gut wie gar nicht – oder sie schrumpfen sogar leicht. Zumindest im Moment scheinen die Ängste vor einer baldigen globalen Rezession voreilig zu sein. Aber die Politiker haben wenig Lust auf grundlegende Reformen und nur begrenzten Spielraum für effektive makroökonomische Stimuli, also scheinen ihnen die Mittel auszugehen, um das Wachstum wiederzubeleben.

Die Ursachen des Abschwungs sind nicht schwer zu erkennen: Anhaltende Handelsspannungen, politische Instabilität, geopolitische Risiken und Sorgen über die begrenzte Effektivität geldpolitischer Stimuli untergraben das Vertrauen der Unternehmen und Konsumenten und blockieren so die Investitionen und das Produktivitätswachstum. Auch die internationalen Handelsströme sind direkt betroffen: Die Welthandelsorganisation hat kürzlich ihre Prognose des globalen Handelswachstums für 2019 von 2,6% auf nur 1,2% gesenkt. Darüber hinaus hat sich der Baltic Dry Index, ein weithin anerkannter Handelsindikator auf der Grundlage der Transportquoten für Schüttrohstoffe in den ersten acht Monaten dieses Jahres fast verdoppelt, ist aber seitdem um etwa 30% gefallen, was die Hoffnungen auf eine Erholung des Handels zunichte macht.

Unterdessen führte die weltweite Unsicherheit dazu, dass der US-Dollar gegenüber den meisten anderen großen Währungen stark blieb. Obwohl die Aufwertung des Dollar etwas Druck von den Volkswirtschaften außerhalb der USA genommen hat, die von Exporten oder ausländischem Kapital abhängig sind, hat sich so die Gefahr eines offenen Währungskriegs erhöht.

Allerdings sind nicht alle Indikatoren negativ: Die Arbeitsmärkte sind immer noch weitgehend gesund, sogar in ansonsten schwachen Wirtschaftsräumen wie Deutschland, und in den meisten großen Volkswirtschaften ist der Haushaltskonsum immer noch stark. Außerdem haben sich die steigenden Ölpreise vom September, die Sorgen über einen weiteren negativen Wachstumsschock ausgelöst haben, seitdem wieder normalisiert.

Diese Dichotomie spiegelt sich auch in der US-Wirtschaft wider. Dort sind der Arbeitsmarkt und der Haushaltskonsum immer noch relativ robust, aber sowohl im Produktions- als auch im Dienstleistungssektor ist eine Verlangsamung erkennbar. Die Spannungen mit großen Handelspartnern wie China und der Europäischen Union sowie die Unsicherheit über das Abkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada haben dem Unternehmensvertrauen, den Gewinnen und den Investitionen geschadet.

Obwohl Deutschland weiterhin mit der Rezession flirtet und seine Regierung Haushaltsstimuli vermeidet, geht es anderen europäischen Volkswirtschaften etwas besser. Frankreich, die Niederlande und Spanien können sich trotz schwächeren Handels über ein mäßiges Wachstum freuen. Die italienische Wirtschaft hingegen scheint zu stagnieren, und das Land leidet weiterhin unter politischer Unsicherheit.

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Japan wiederum leidet unter einigen Problemen wie einer schwachen Gesamtnachfrage, den negativen Effekten einer Umsatzsteuererhöhung und einer anhaltend niedrigen Inflation. Das finanzielle Umfeld bleibt schwach, ebenso wie die Realwirtschaft. Das Vertrauen der Unternehmen und Konsumenten ist zurückgegangen, was gemeinsam mit den strukturellen, demografischen und fiskalen Problemen des Landes eine weitere wirtschaftliche Schwächeperiode befürchten lässt.

Das Hauptthema in Großbritannien ist weiterhin die Unsicherheit in Bezug auf den Brexit. Die Angst vor einem ungeordneten Ausstieg aus der EU und weiteren politischen Unruhen im Inland lässt für Optimismus über die kurzfristigen wirtschaftlichen Aussichten des Landes wenig Raum. Die meisten Indikatoren der britischen Wirtschaftsleistung stagnieren entweder oder weisen auf ein minimales Wachstum hin.

Sicherlich konnten einige große Entwicklungs- und Schwellenländer von den niedrigen Zinsen in den Industriestaaten und dem aktuellen Ölpreisrückgang profitieren. Trotzdem wird ihr Wachstum weiterhin durch schwache weltweite Nachfrage, Handelsunsicherheiten und innenpolitische Beschränkungen belastet.

Chinas Wirtschaft beispielsweise hat sich ganz klar verlangsamt, wenn auch nicht so stark, wie viele angesichts des anhaltenden Handelskriegs mit den USA befürchtet hätten. Aber eine dauerhafte Beilegung des Konflikts ist nicht in Sicht, was das chinesische Geschäftsklima und das private Investitionswachstum weiterhin dämpft. Die schrittweise Abwertung des Renminbi gegenüber dem Dollar hatte bislang einen positiven Effekt, aber auch nur einen mäßigen Einfluss auf das Wachstum. Und obwohl die chinesische Regierung Spielraum für weitere fiskale und geldpolitische Stimuli besitzt, scheint sie bereit zu sein, das Wachstum nach und nach auf ein nachhaltigeres Niveau zu entschleunigen – anstatt die Ausgaben zu erhöhen und die Kreditvergabe zu erleichtern, was längerfristig zu finanziellen und anderen Risiken führen könnte.

Indien erleidet unterdessen eine scharfe wirtschaftliche Verlangsamung, die teilweise durch enge Kreditbedingungen und schwachen Haushaltskonsum ausgelöst wird. Kürzlich senkte die Regierung die Unternehmenssteuern und erleichterte die Einschränkungen für ausländische Direktinvestitionen, während die indische Zentralbank die Zinsen senkte und damit erhebliche geldpolitische Stimuli auslöste. Aber ohne eine klare Vision der indischen Regierung für wirtschaftliche Reformen können diese Maßnahmen die privaten Investitionen wahrscheinlich nicht wiederbeleben.

Tatsächlich hat die wirtschaftliche Malaise auf viele große Schwellenländer übergegriffen: Da das Handels-, Beschäftigungs- und Vertrauensniveau in Brasilien stagniert, befindet sich das Land in den letzten Monaten an der Schwelle einer Rezession. Auch die russische Volkswirtschaft wächst laut der meisten wirtschaftlichen Indikatoren kaum oder kommt gar nicht vom Fleck. Und auch Mexiko konnte im zweiten Quartal 2019 kein BIP-Wachstum verzeichnen. Der einzige positive wirtschaftliche Faktor in allen drei Ländern ist das andauernde Wachstum der Kreditvergabe im privaten Sektor.

Angesichts der wachsenden Stagnationsgefahr könnten die Regierungen bald keine andere Wahl mehr haben, als zu weiteren makroökonomischen Stimuli zu greifen. Damit dies effektiv geschehen kann, müssen die Politiker die fiskalen und geldpolitischen Maßnahmen koordinieren und sie durch grundlegendere Strukturreformen ergänzen, die auf die Verbesserung der langfristigen Wachstumsaussichten abzielen. Da es aber vielen Regierungen am politischen Willen für einen solchen Ansatz zu mangeln scheint, wird die schwere und immer weniger nachhaltige Last der Wachstumsförderung wahrscheinlich weiterhin auf der Geldpolitik liegen.

Sind die Finanzsysteme weiterhin von sehr niedrigen oder gar negativen Zinsen abhängig, werden sie immer empfindlicher und können immer weniger zum Wachstum beitragen. Und diese unglückliche Situation wird andauern, wenn sich die Regierungen nicht zu umfassenderen Strukturmaßnahmen und vernünftigen Haushaltsstimuli verpflichten. Sollten die Politiker dies nicht tun, wird die synchronisierte wirtschaftliche Stagnation weitergehen – und könnte dann in eine noch schlimmere Lage münden.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

https://prosyn.org/ATORfrjde;
  1. haass107_JUNG YEON-JEAFP via Getty Images_northkoreanuclearmissile Jung Yeon-Je/AFP via Getty Images

    The Coming Nuclear Crises

    Richard N. Haass

    We are entering a new and dangerous period in which nuclear competition or even use of nuclear weapons could again become the greatest threat to global stability. Less certain is whether today’s leaders are up to meeting this emerging challenge.

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