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Die Risiken für die Weltwirtschaft in 2019

CAMBRIDGE – Wie Mark Twain in Wahrheit nie gesagt hat: „Was einen in Schwierigkeiten bringt, ist nicht, was man nicht weiß. Es ist, was man sicher zu wissen glaubt und was dann einfach nicht stimmt.“ Im laufenden und im nächsten Jahr dürften sich die größten wirtschaftlichen Risiken in den Bereichen auftun, von denen die Anleger glauben, dass sich die aktuellen Muster dort vermutlich nicht ändern werden. Hierzu gehören eine Wachstumsrezession in China, ein Anstieg der weltweiten langfristigen Realzinsen und ein Crescendo populistischer wirtschaftspolitischer Maßnahmen, die die Glaubwürdigkeit der Unabhängigkeit der Notenbanken untergraben, was zu höheren Zinssätzen auf „sichere“ Staatsanleihen aus den hochentwickelten Ländern führen wird.

Ein deutlicher Abschwung in China könnte bereits begonnen haben. US-Präsident Donald Trumps Handelskrieg hat das Vertrauen erschüttert, doch ist dies nur ein leichter Schubser abwärts für eine Volkswirtschaft, in der sich das Wachstumstempo beim Übergang vom export- und investitionsgestützten Wachstum zu einem nachhaltigeren, vom Inlandskonsum getragenen Wachstum bereits verlangsamt hatte. Wie stark der Abschwung der chinesischen Volkswirtschaft ausfallen wird, ist eine offene Frage. Doch angesichts des inhärenten Widerspruchs zwischen einem immer stärker zentralisierten, KPCh-geführten politischen System und der Notwendigkeit eines stärker dezentralisierten konsumgeleiteten Wirtschaftssystems könnte das langfristige Wachstum relativ drastisch sinken.

Unglücklicherweise ist die Option, den Übergang zum konsumgestützten Wachstum zu vermeiden und weiter den Export und Immobilieninvestitionen zu fördern, ebenfalls nicht sehr attraktiv. China ist bereits ein dominanter globaler Exporteur, und es besteht weder Platz am Markt noch die politische Toleranz für eine fortgesetzte Ausweitung seiner Exporte im bisherigen Tempo. Das Wachstum durch Investitionen insbesondere in Wohnimmobilien anzukurbeln (die den Löwenanteil der Produktion im chinesischen Baugewerbe ausmachen), wird ebenfalls immer schwieriger.

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