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Die überraschende Widerstandskraft der Weltwirtschaft

LONDON – Irritierende politische Entwicklungen in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien lassen einen möglicherweise zu dem Schluss kommen, dass eine ohnehin belastete Weltwirtschaft in naher Zukunft noch mehr ins Straucheln geraten könnte. Doch während das Jahr 2017 seinen Lauf nimmt, deuten konjunkturelle Entwicklungen nachweislich in die andere Richtung.

Seit meiner Zeit als Chefökonom bei Goldman Sachs lege ich mein Augenmerk auf sechs Indikatoren aus der ganzen Welt, die zusammen eine zuverlässige Momentaufnahme dessen bilden, wie sich die Weltwirtschaft in den nächsten sechs Monaten entwickeln wird. Im Augenblick präsentieren sich alle sechs Indikatoren vielversprechender als seit geraumer Zeit und nur einer dieser Indikatoren zeigt sich nach einem kürzlichen Höchststand wieder rückläufig.

Bei dem ersten Indikator handelt es sich um die wöchentlich veröffentlichte Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA, anhand derer sich die allgemeine Stärke der US-Wirtschaft beurteilen lässt. Zwar sind sind die Ökonomen zurecht darauf trainiert, die Arbeitslosigkeit als einen nachlaufenden Indikator zu behandeln, doch diese Daten können für die Prognose der nahen Zukunft durchaus gute Dienste leisten. Da diese Daten auf wöchentlicher Basis erstellt werden, befinden sie sich immer auf dem neuesten Stand und statistische Belege verweisen darauf, dass es sich bei ihnen um einen führenden Indikator für Aktienkurse in den USA handelt. Letzte Woche blieb die Zahl der Erstanträge wie schon seit einiger Zeit niedrig - ein gutes Zeichen für die US-Aktienmärkte.

In ähnlicher Weise bietet auch der Institute for Supply Management Manufacturing Index eine durchaus gute Vorschau auf die US-Wirtschaft in den nächsten 3-6 Monaten, obwohl die Industriefertigung einen relativ geringen Anteil am BIP ausmacht. Ebenso wie die aktuelle Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bieten die Zahlen des ISM derzeit Grund zu Optimismus.