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Das Schuldendilemma

LONDON/WASHINGTON, DC – Griechenlands kontroverse Verhandlungen mit der EU haben das Schuldenthema erneut in den Mittelpunkt der Debatten über Wirtschaftswachstum und Stabilität gerückt. Doch ist Griechenland nicht das einzige Land, das sich schwer tut, seine Schulden zu bedienen oder gar seine Kreditaufnahme zu bremsen. Seine angespannten Verhandlungen mit seinen Gläubigern sollten andere Länder dazu anregen, etwas gegen ihre eigenen Schuldenüberhänge zu tun.

Seit Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008 sind die weltweiten Schulden um 57 Billionen Dollar gestiegen – mehr als das BIP-Wachstum. Die Staatsverschuldung hat sich um 25 Billionen Dollar erhöht, von denen 19 Billionen auf die hochentwickelten Länder entfallen – ein direktes Resultat der schweren Rezession, Konjunkturprogramme und Bankenrettungen. Während die amerikanischen Haushalte ihre Schulden (primär durch Ausfälle bei den Hypotheken) deutlich verringert haben, sind die Schulden der privaten Haushalte in vielen anderen Ländern rapide gestiegen. In allen großen Volkswirtschaften ist die Schuldenquote (das Verhältnis der öffentlichen und privaten Schulden zum BIP) heute höher als 2007.

Ein Großteil dieses Schuldenanstiegs ist bedingt durch Bemühungen zur Stützung des Wirtschaftswachstums angesichts des deflationären Gegenwinds nach der Krise von 2008. Dies gilt besonders für China, auf das – zusammen mit anderen Entwicklungsländern – fast die Hälfte der seit 2008 aufgelaufenen Schulden entfallen.

Nun sind Schulden per se nichts Schlechtes. Eine übermäßige Schuldenwirtschaft jedoch erzeugt das Risiko von Finanzkrisen, die das Wachstum untergraben. Daher muss die Welt sowohl weniger kreditintensive Routen hin zu mehr Wachstum finden als auch Wege, um ihre bestehende Schuldenlast abzubauen.