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Wie man die öffentliche Gesundheit auf die Landkarte bringt

SEATTLE – Vor 25 Jahren erinnerte die Lage im öffentlichen Gesundheitswesen für breite Teile der Bevölkerung an die Versuche eines Arztes, einen Patienten ohne richtige Diagnose zu behandeln. Erkrankungen und Verletzungen, die zum frühen Tod oder weit verbreiteten Leid führten, wurden nicht in stringenter Weise erfasst.

Wohlmeinende Fürsprecher der Bekämpfung verschiedener Krankheiten veröffentlichten damals Sterbezahlen, die ihnen halfen, für eine bessere Finanzausstattung und mehr Aufmerksamkeit zu argumentieren. Doch wenn man all diese Zahlen addierte, lag die Gesamtsumme um ein Vielfaches über der Zahl der in einem beliebigen Jahr tatsächlich Verstorbenen. Und selbst dort, wo die politischen Entscheidungsträger über präzise Zahlen verfügten, beinhalteten diese gewöhnlich nur die Todesursachen und nicht die Krankheiten, unter denen die Lebenden litten.

Erdogan

Whither Turkey?

Sinan Ülgen engages the views of Carl Bildt, Dani Rodrik, Marietje Schaake, and others on the future of one of the world’s most strategically important countries in the aftermath of July’s failed coup.

Um diesem Problem zu begegnen, leiteten Alan Lopez und ich 1990 das Projekt „Global Burden of Disease“ (GBD) ein. Entscheidungsträger brauchen Informationen über die größten gesundheitlichen Bedrohungen weltweit und ihre Veränderungen im Verlaufe der Zeit, für verschiedene Altersgruppen und nach Geschlecht, um dafür sorgen zu können, dass jeder die Chance auf ein möglichst langes und gesundes Leben erhält.

Indem es gewährleistet, dass jeder Todesfall nur einmal erfasst wird, und indem es umfassende Statistiken zu den Krankheitsursachen zur Verfügung stellt, kann das GBD etwa die Auswirkungen von Krebs mit denen von Schmerzen im unteren Rückenbereich oder von Depressionen vergleichen. Zudem ermöglicht es Vergleiche zur Leistung des Gesundheitswesens zwischen den einzelnen Ländern.

Die GBD-Studie von 1990 und ihre späteren Neufassungen legten die Latte für die Messung der Gesundheit der Bevölkerung höher, indem sie Entscheidungsträgern zuverlässigere und nützlichere Informationen zur Verfügung stellten. Sie öffneten zugleich der internationalen Entwicklungsgemeinschaft die Augen für die Wichtigkeit zuvor unbeachteter gesundheitlicher Probleme, wie psychischen Erkrankungen und Verkehrsunfällen. Geldgeber wie die Weltbank und die Bill & Melinda Gates Foundation verwenden GBD-Daten als Richtschnur bei ihren Investitionen, und über 30 Länder haben inzwischen eigene Untersuchungen zur Krankheitsbelastung durchgeführt.

Länder wie Australien, Botsuana, China, Mexiko, Norwegen, Ruanda, Saudi-Arabien und Großbritannien verwenden GBD-Ergebnisse zur Verbesserung ihrer Gesundheitspolitik. In China führten die Ergebnisse des bei einem politischen Gipfeltreffen im Jahr 2013 eingeleiteten GBD-Projekts zur Sensibilisierung für die tödlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die chinesische Bevölkerung und halfen, die Bemühungen der chinesischen Regierung zur Bekämpfung der negativen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit zu gestalten. Chinesische Forscher spielen heute eine wichtige Rolle bei den weltweiten Gemeinschaftsanstrengungen.

Nachdem die GBD-Studie in Ruanda aufgezeigt hatte, dass die durch das Kochen mit Festbrennstoffen verursachte Luftverschmutzung innerhalb der Häuser eine wichtige Todesursache war, leitete die dortige Regierung ein Programm ein, um eine Million sauberer Öfen an die gefährdetsten Haushalte zu verteilen. Ruandische Wissenschaftler und Vertreter des Gesundheitsministeriums – darunter die Ministerin selbst – sind heute wichtige GBD-Unterstützer.

Das GBD verbessert sich dank der Anstrengungen von mehr als 1300 Projektmitarbeitern in 114 Ländern inzwischen ständig. Diese Mitarbeiter verbessern die Modelle, auf denen das Projekt aufbaut, prüfen die Studienergebnisse, steuern neue Datensätze bei und kommunizieren die Ergebnisse an Medien, Bildungseinrichtungen und Entscheidungsträger. Die neueste GBD-Studie hat aufgezeigt, dass eine weitere Erkrankung, die in internationalen Entwicklungszirkeln selten diskutiert wird – Rückenschmerzen –, die weltweit viertverbreiteteste Krankheitsursache ist. Sie hat zugleich das rapide Tempo des epidemiologischen Wandels in Ländern mittleren Einkommens sowie die Hartnäckigkeit von ansteckenden Krankheiten, Krankheitsbildern bei Müttern und Neugeborenen sowie ernährungsbedingten Gesundheitsstörungen in Schwarzafrika aufgezeigt.

Doch das GBD könnte noch mehr tun, um die politische Diskussion zu fördern und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung auszulösen, wenn es in der Lage wäre, seine Daten detailschärfer aufzuschlüsseln. Politiker sind primär ihren Wählern verantwortlich, deren jeweilige Bedürfnisse sie erfüllen müssen. Schätzungen der lokalen Krankheitsbelastungen sind unverzichtbar, um Krankheiten wie Ebola zu bekämpfen, die zunehmenden Belastungen durch nicht ansteckende Krankheiten in Ländern mittleren Einkommens zu bremsen und die Ziele nachhaltiger Entwicklung in Bezug auf die Gesundheit von Müttern und Kindern in Schwarzafrika zu erfüllen.

Um den Entscheidungsträgern zu helfen, ihre Daten besser zu nutzen, ist das von mir geleitete Institute for Health Metrics and Evaluation dabei, GIS-Landkarten zur Krankheitsbelastung von bahnbrechendem Auflösungsgrad zu erstellen. Dies ist möglich dank der im Rahmen des Malaria Atlas Project entwickelten Methoden, die ein besseres räumliches Verständnis der Malaria hervorgebracht haben, als wir es für irgendeinen anderen Erreger besitzen.

GIS-Landkarten können Gegenden, in denen besondere Fortschritte erzielt werden, genau identifizieren, was es uns ermöglicht, jene Gemeinschaften zu ermitteln, die etwas anders gemacht haben als ihre Nachbarn. Diese Fallstudien können Gemeinwesen in die Lage versetzen, die Erfolge anderer nachzuahmen. Ein Beispiel ist Cali in Kolumbien, wo die Mordrate in den 1990er Jahren sank, nachdem Bürgermeister Rodrigo Guerrero die Alkoholbeschränkungen verschärfte, in den ärmsten Vierteln Programme zur Gemeinschaftsentwicklung einführte und zeitlich beschränkte Schusswaffenverbote an öffentlichen Orten verhängte.

Der Bürgermeister der kolumbianischen Hauptstadt Bogota erfuhr von dem Programm in Cali und setzte ähnliche Maßnahmen um, was zu einem kontinuierlichen Rückgang der Zahl der Morde in der Stadt beigetragen hat. Guerrero arbeitet inzwischen mit der Interamerikanischen Entwicklungsbank zusammen, um Programme zu entwickeln, die anderen lateinamerikanischen Staaten helfen, die Gewalt in ihren Gemeinwesen zu verringern. Im Jahr 2014 wurde Guerrero für seinen Einsatz von Daten zur Verbesserung der Gesundheit mit dem Roux Prize ausgezeichnet, wodurch seine Arbeit noch bekannter wurde. Die GIS-Kartierung wird uns helfen, weitere Rodrigo Guerreros zu ermitteln und ihre Arbeit zu unterstützen.

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Wenn die internationale Gemeinschaft zusammenkommt, um die für die Finanzierung und Fortschrittmessung der Ziele nachhaltiger Entwicklung (des Nachfolgeprogramms der Millenniumziele) erforderlichen Instrumente zu vereinbaren, wird die GIS-Kartierung eine entscheidende Rolle spielen, um Fortschritte zu erfassen und zu ermitteln, wo Kurskorrekturen erforderlich sein könnten. Wir sind, was die Gesundheitsmessung angeht, heute deutlich weiter als 1990. Durch fokussierte Anstrengungen und weitere Innovationen können wir in den nächsten 25 Jahren weitere Fortschritte erzielen, um dazu beizutragen, das Meiste aus unseren gemeinsamen Investitionen in die Gesundheit zu machen.

Aus dem Englischen von Jan Doolan