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Die post-russische Weltordnung

BRÜSSEL – Russlands Intervention in der Ukraine und die darauf folgende Krim-Krise werden zu Unrecht als Beginn eines zweiten Kalten Krieges angesehen. Die Missachtung des Völkerrechts und der öffentlichen Meinung durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin wird ganz andere Folgen nach sich ziehen als der lange Feldzug der Sowjetunion gegen den Kapitalismus, doch die geopolitischen Auswirkungen werden mit Sicherheit mindestens ebenso weitreichend sein.

Russland wird sich ins weltwirtschaftliche Abseits begeben und dadurch eine neue Ära in den internationalen Beziehungen einläuten. Internationale Sanktionen werden lediglich die erste Konsequenz sein. Unsicherheit wird von Märkten und Banken bestraft, also wird die russische Wirtschaft zunehmend vom internationalen Handel und internationalen Investitionen abgeschnitten sein und einer Zukunft mit verhaltenem oder keinem Wachstum entgegenblicken.

Das ist natürlich Russlands Sache. Die weitreichenderen Konsequenzen werden eine Neustrukturierung der internationalen Politik und der Bemühungen von Regierungen sein, gemeinsame Probleme anzugehen, angefangen bei Global Governance bis hin zum Klimawandel. Das Resultat könnte sogar positiv ein, da die Ereignisse in der Ukraine überraschend den Weg für eine bedeutende Neuausrichtung aufstrebender Schwellenländer freimachen, die im einundzwanzigsten Jahrhundert eine entscheidende Rolle spielen werden.

Die verfahrene Situation zwischen dem Westen und Russland bedeutet das Aus für die BRICS-Staaten. Die Vereinigung der Länder Brasilien, Russland, Indien, China und zuletzt Südafrika ist seit mindestens zehn Jahren ein wichtiger Faktor der Weltpolitik, der die Macht und den Einfluss der industrialisierten Länder Europas und Amerikas herausfordert. Doch mit Russland als künftigem Außenseiter, der entweder aus globalen Märkten und multilateralen Foren gedrängt wird oder sich selbst aus diesen zurückzieht, scheinen die Tage der BRICS-Gipfeltreffen und -institutionen, wie etwa der Entwicklungsbank, deren Schaffung gerade erst beschlossen wurde, gezählt.