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Was steht auf dem Spiel?

CAMBRIDGE – Diejenigen von uns, die das Glück haben in der entwickelten Welt zu leben, machen sich über unzählige geringe – oder manchmal unwahrscheinliche – Risiken Gedanken: Krebserreger in Lebensmitteln, Flugzeugabstürze und dergleichen mehr. Dabei sind wir weniger sicher, als wir glauben. Wir verschließen die Augen vor Szenarien, die so verheerend sein können, dass schon das Eintreten eines einzigen dieser vorgestellten Umstände zu viel wäre.

Es ist schon viel über mögliche ökologische Zusammenbrüche geschrieben worden, die durch die Beanspruchung der Biosphäre durch eine wachsende Weltbevölkerung ausgelöst werden und über die gesellschaftlichen und politischen Spannungen, die durch Ressourcenknappheit oder den Klimawandel entstehen. Noch besorgniserregender sind die Risiken, die leistungsfähige neue Informations-, Bio- und Nanotechnologien bergen: Einzelne könnten, durch einen Fehler oder in böser Absicht, binnen so kurzer Zeit einen gesellschaftlichen Zusammenbruch in Gang setzen, dass die Reaktionsfähigkeit der Staaten überfordert wäre.

Das Zeitalter des „Anthropozän“, in dem die größten globalen Bedrohungen vom Menschen ausgehen und nicht von der Natur, ist vor allem durch das massive Aufgebot von Atomwaffen risikoreich geworden. Während des Kalten Krieges hat es bei beiden Supermächten immer wieder Fehlalarme und Fehleinschätzungen gegeben, von denen mehrere ein ernstes Risiko darstellten, eine weltweite nukleare Katastrophe auszulösen.

Wer sorgenvoll die Kubakrise erlebt hat, wäre in Panik verfallen, wenn ihm klar gewesen wäre, wie knapp die Welt an der Katastrophe vorbeigeschlittert ist. Wir haben erst später erfahren, dass Präsident John F. Kennedy die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges an einem Punkt auf „irgendwo zwischen 33% und 50%“ geschätzt hat. Und erst als er schon lange im Ruhestand war, hat Kennedys Verteidigungsminister Robert McNamara unumwunden erklärt, dass „[w]ir um Haaresbreite an einem Atomkrieg vorbeigeschlittert sind, ohne dass wir uns darüber im Klaren waren. Es ist nicht unser Verdienst, dass wir verschont geblieben sind – Chruschtschow und Kennedy hatten Glück und Verstand.“