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Deutschlands Goldwahn

WASHINGTON – Deutschlands Gold ist in Bewegung. Erstmals seitdem die offiziellen Goldtransaktionen transparenter wurden, hat die Bundesbank bekannt gegeben, dass ein erheblicher Teil des Bestandes aus Frankreich und den Vereinigten Staaten heimgeholt werden soll. Scheinbar ist dies lediglich eine Angelegenheit monetärer Haushaltsführung. Aber warum gerade jetzt?

Eine mögliche Antwort ist, dass deutsche Politiker glauben, uns stünden Zeiten bevor, in denen sich jeder um sich selbst kümmern muss – und nur Gold, das die eigene Polizei bewacht, ist etwas wert.

Aber das wäre mehr als weit hergeholt. Eine Welt, in der das Finanzvertrauen zwischen Deutschland und Frankreich oder den Vereinigten Staaten vollständig verloren geht, ist eine Welt, in der es weitaus größere Probleme gibt, als die Frage, wo ein Land sein Gold lagert. Der internationale Handel wäre zusammengebrochen und die größten Unternehmen der Welt hätten Schwierigkeiten, ihre Produkte zu verkaufen. Mehr Gold zuhause zu haben, anstatt im Tresor der New York Fed, würde in einer solchen Situation auch nicht weiterhelfen.

Denkt Deutschland, sein Gold würde Sanktionen ausgesetzt oder konfisziert werden – wie es manchmal Schurkenstaaten geschieht? Auch das ist wenig plausibel. Länder wie der Iran oder Venezuela geben sich seit Jahren große Mühe, internationale Parias zu werden. Deutschland dagegen ist eine Säule der demokratischen Welt. Das wird sich nicht ändern.