sinn103_INA FASSBENDERAFP via Getty Images_germanypowerplant Ina Fassbender/AFP via Getty Images

Der deutsche Scherbenhaufen

MÜNCHEN – Deutschland sah sich lange als Speerspitze der westlichen Industrieländer bei der Energiewende. In der Erwartung, die gesamte Energieversorgung mit Strom aus erneuerbaren Quellen realisieren zu können, hat es den Doppelausstieg aus der Kohle und der Kernkraft beschlossen und zum Teil schon realisiert.

Die von den grünen Politikern der Republik propagierte Hoffnung war stets, dass die anderen Länder dem deutschen Beispiel folgen würden, wenn sie sehen, wie gut der grüne Weg in Deutschland funktioniert. Tatsächlich kann die Welt aber heute, im Zeichen des Krieges in der Ukraine, den Scherbenhaufen besichtigen, den diese überaus naive und zutiefst ideologische  Positionierung hinterlassen hat.

Um den Doppelausstieg aus Kohle und Atomkraft und den Übergang zur grünen Energie abzufedern, hat Deutschland nämlich zugleich beschlossen, viele zusätzliche Gaskraftwerke zu errichten, um seine Energieversorgung zu sichern. Das Erdgas würde, so glaubte man noch kurz vor dem Krieg,  immer verlässlich aus Russland kommen, das sich auch während der vielen Krisen der Vergangenheit und selbst noch während des Untergangs der Sowjetunion als stabiler Lieferant von Rohstoffen erwiesen hat, und es war geplant, seine Lieferungen mit Hilfe der Nord-Stream-2-Pipeline noch weiter auszudehnen.  Noch im letzten Jahr importierte Deutschland über die Hälfte seines Erdgases aus Russland.

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