A protestor holds a banner translating 'AFD Is Not An Alternative' Anadolu Agency/Getty Images

Die Geister der Weimarer Republik

PRINCETON – Das Resultat der deutschen Bundestagswahl ist seltsam paradox. Unter dem Vorsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist die CDU unbestreitbar die stärkste Kraft geworden, ohne die eine neue Regierung undenkbar ist. Doch sowohl die CDU, als auch ihr bisheriger Koalitionspartner SPD haben herbe Verluste erlitten. Als erste Reaktion auf die 20,4 Prozent, bei denen die Sozialdemokraten gelandet sind (2013 waren es noch 25,7 Prozent), verkündeten mehrere Spitzenpolitiker der SPD den Gang in die Opposition.

Diese Reaktion – ein Machtverzicht – war ein Wesensmerkmal der Politik im Deutschland der Zwischenkriegszeit, als der erste Versuch dem Land mit der Weimarer Republik eine demokratische Staatsform zu geben nach kurzer Zeit scheiterte. Seit der Gründung der Bundesrepublik 1949 wird die deutsche Politik von einer Frage verfolgt: Könnten sich die Ereignisse der Weimarer Republik wiederholen, die Rechtsradikalen erneut triumphieren? Nun zieht mit der Alternative für Deutschland (AfD) zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg eine extremistische Partei in den Bundestag ein und somit steht die Frage im Raum.

Einige Parallelen zu Weimar sind unverkennbar. Selbst in den relativ stabilen Jahren der Weimarer Republik Mitte und Ende der 1920er-Jahre ‒ vor der Weltwirtschaftskrise ‒ wurden Parteien von den Wählern abgestraft, wenn sie an der Regierung beteiligt waren und belohnt, wenn sie sich als alternative oder Protestparteien präsentierten. Die gemäßigte Rechte war zwischen 1924 und 1928 an einer Koalitionsregierung beteiligt und erlitt herbe Verluste; nach 1928 wurde die SPD ebenfalls für ihre Beteiligung an einer Koalition abgestraft.

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