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Geopolitisches Herumstümpern ist gefährlich

PRINCETON – Jede Hoffnung, dass Donald Trumps chaotischer Abschied aus dem Weißen Haus der Welt zumindest ein Minimum an Ruhe zurückgeben würde, muss man inzwischen begraben. Schon jetzt gibt es eine gefährliche neue internationale Bedrohung: Die Rückkehr der „Geopolitik“ bei der Gestaltung der internationalen Sicherheitslage.

Man denke an die Ereignisse der vergangenen sechs Monate. Schon wenige Wochen nach Präsident Joe Bidens Amtseintritt geriet Bidens Außenminister Antony Blinken bei einem bilateralen Treffen in Alaska in einen außergewöhnlichen Streit mit seinem chinesischen Amtskollegen. Die USA sind sich zudem mit der Europäischen Union über die Pipeline Nord Stream 2 in die Haare geraten, die russisches Erdgas direkt nach Deutschland liefern soll und dabei die Ukraine umgeht (und somit schwächt). Und die EU ihrerseits hat unter Verweis auf die chinesische Politik in Xinjiang härtere Sanktionen gegenüber China verhängt, und China hat darauf mit eigenen Sanktionen reagiert.

Im Juni dann beschwor ein Marinezwischenfall zwischen Russland und Großbritannien im Schwarzen Meer Parallelen zum Krimkrieg der 1850er Jahre herauf. Und ein Treffen zwischen Biden und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin tat wenig, um die Spannungen zwischen den USA und Russland zu verringern. Bidens erstes Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping wird, wenn es irgendwann kommt, kaum herzlicher ausfallen. Die G7 ist derzeit dabei, sich als Club reicher Demokratien neu zu erfinden, der die „grundlegenden Verkehrsregeln“ für die übrige Welt aufstellt – ungeachtet der Tatsache, dass andere mächtige Länder kein Interesse an Regeln haben, die von anderen gemacht werden.

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