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Der chinesische Albtraum

LONDON – Seit seiner ersten Ansprache als Präsident im letzten Jahr ruft Xi Jinping den so genannten „Chinesischen Traum“ nationaler Erneuerung und individueller Selbstverbesserung aus. Aber die Notwendigkeit, sich um den beispiellosen Schuldenberg zu kümmern, den China in den letzten Jahren angehäuft hat, stellt Xis Entschlossenheit auf die Probe – und seine Regierung zögert.

Die Unsicherheit oder Unwilligkeit der chinesischen Regierung, die Schulden zu zügeln, wird daran deutlich, dass sie zwar umfassende Strukturreformen durchsetzen, aber gleichzeitig ein jährliches BIP-Wachstum von 7,5% beibehalten will.. Angesichts dessen, dass China Wachstum in letzter Zeit weitgehend auf schuldenfinanzierte Investitionen zurück zu führen ist – oft in Projekte wie Infrastruktur oder Wohnimmobilien, um den Chinesischen Traum zu unterstützen – steigern jegliche Bemühungen, das Kreditwachstum unter Kontrolle zu bringen, die Wahrscheinlichkeit einer harten Landung. Diese Aussicht bringt die Behörden bereits jetzt dazu, entscheidende Reformen zu verschieben.

Natürlich ist die Verschuldung Chinas im Vergleich zum BIP, die in diesem Monat 250% erreicht, weiterhin deutlich niedriger als diejenige der meisten Industriestaaten. Das Problem liegt darin, dass die privaten Kredite im Land normalerweise auf ein Pro-Kopf-BIP von etwa 25.000 USD bezogen würden – fast das Vierfache des aktuellen Werts.

Es gibt deutliche Parallelen zwischen dem heutigen Dilemma Chinas und dem Investitionsboom Japans der 1980er Jahre. Wie in China heute gab es in Japan damals eine hohe persönliche Sparquote, was Investoren die übermäßige Nutzung traditioneller, inlandsfinanzierter Bankkredite ermöglichte. Darüber hinaus wurden die möglichen Folgen fauler Kredite durch die starke finanzielle Verknüpfung einzelner Sektoren noch verstärkt. Und Japans externe Position war stark, ebenso wie heute die chinesische.