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BIP-Fetischismus

NEW YORK: Der Versuch, die Weltwirtschaft wiederzubeleben und zugleich auf die globale Klimakrise zu reagieren, hat eine verzwickte Frage aufgeworfen: Gibt uns die Statistik die richtigen „Signale“, was wir tun müssen? In unserer leistungsorientierten Welt haben Messungsfragen eine zunehmende Bedeutung angenommen: Was wir messen, beeinflusst unser Tun.

Wenn wir schlechte Messgrößen verwenden, kann das, was wir zu erreichen suchen (z.B. die Steigerung des BIP), tatsächlich zur Verschlechterung des Lebensstandards beitragen. Wir können außerdem mit falschen Entscheidungsmöglichkeiten konfrontiert werden und Zielkonflikte zwischen Produktion und Umweltschutz sehen, wo gar keine existieren. Eine bessere Messgröße für die Wirtschaftsleistung andererseits ergibt womöglich, dass Schritte, die wir zum Schutze der Umwelt unternehmen, gut für die Wirtschaft sind.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat aufgrund seiner Unzufriedenheit – und der vieler anderer – mit dem gegenwärtigen Zustand der statistischen Informationen über Wirtschaft und Gesellschaft vor achtzehn Monaten die internationale Kommission zur Messung der Wirtschaftsleistung und des sozialen Fortschritts (Commission sur la Mesure de la Performance Économique et du Progrès Social) eingerichtet. Am 14. September wird diese Kommission ihren lange erwarteten Bericht veröffentlichen.

Die große Frage dabei ist, ob das BIP eine gute Messgröße für den Lebensstandard darstellt. In vielen Fällen scheinen die BIP-Statistiken zu suggerieren, dass es der Wirtschaft deutlich besser geht, als die meisten Bürger wahrnehmen. Darüber hinaus schafft die Fokussierung auf das BIP Konflikte: Den politischen Führern wird erzählt, dass sie es maximieren sollen, aber die Bürger verlangen außerdem, dass sie auch der Verbesserung der Sicherheit, der Verringerung der Luft- und Wasserverschmutzung, der Lärmbelästigung usw. ihre Aufmerksamkeit schenken sollen – alles Dinge, die das BIP-Wachstum verringern könnten.