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Die Welt im 21. Jahrhundert und die G7

BERLIN – Man hat sich also mal wieder getroffen zu siebt. Diesmal im schönen Garmisch-Partenkirchen in Deutschland und ohne Wladimir Putin. Wie sieht sie denn nun aus, unsere wirtschaftliche und machtpolitische Welt, die solche Gipfelereignisse hervorbringt? Immer noch westlich dominiert, wie Garmisch nahelegen könnt?

Betrachtet man die gegenwärtige Weltlage, so erscheint sie den meisten Zeitgenossen sehr viel chaotischer, komplexer zu sein, als noch vor zehn Jahren. Menschen haben es an sich, dass sie die Vergangenheit gerne in einem milderen Licht sehen als die Gegenwart. Aber in diesem Fall, so zumindest ist mein Eindruck, geht es nicht nur um eine gefühlte Verschlechterung, sondern es sprechen, bei genauerem Hinsehen, durchaus einige gravierende Fakten für diese These.

Erstens scheint sich die Welt in einer sehr tief reichenden Übergangsphase zu befinden: Waren die vergangenen zwei- bis drei Jahrhunderte fast ausschließlich von den westlichen europäisch-amerikanischen Mächten beherrscht und gestaltet worden, so findet gegenwärtig ein gegenläufiger Prozess statt. Mit dem (Wieder)aufstieg sehr großer, bevölkerungsreicher Schwellenländer (China, Indien, Brasilien, Indonesien, uvm.) wird ein aktuell stattfindender gegenläufiger Prozess sichtbar, nämlich dem der voranschreitenden „Entwestlichung“ der internationalen Weltordnung.

Diese Tatsache drückt sich in einem kontinuierlichen Prozess der Verlagerung von Macht und Reichtum von West (Europa und Amerika) nach Ost (vor allem nach Ost- und Südasien) aus, d.h. die Welt des 21. Jahrhunderts wird wirtschaftlich und auch machtpolitisch sehr viel mehr derjenigen gleichen, wie sie vor der Industriellen Revolution im Westen bestanden hat. Damals waren global China und Indien die größten Volkswirtschaften gewesen und diesen Status werden sie im 21. Jahrhundert wieder erlangen.