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Die Nachhaltigkeitsmission der G-7

FRANKFURT – In sechs Monaten werden sich Vertreter aus Ländern der ganzen Welt in Paris versammeln, um im Kampf gegen den Klimawandel ein globales Abkommen zu erreichen. Wenn sich die Staats- und Regierungschefs der G-7 nächste Woche in Deutschland treffen, sollten sie die Gelegenheit nutzen, um erste Schritte zu unternehmen, die gefährlichsten Folgen der globalen Erwärmung zu vermeiden. Angesichts der Tatsache, dass Sicherheit und Wohlstand der ganzen Welt auf dem Spiel stehen, lautet die Frage nicht, ob oder wann mit dem Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft begonnen werden soll, sondern wie diese Bemühungen zu gestalten sind. 

Im Jahr 2014 erreichten die Investitionen in saubere Energien mit 310 Milliarden Dollar einen neuen Höhepunkt, nachdem die Entwicklung in den zwei Jahren davor rückläufig verlaufen war. Das sind zwar gute Nachrichten, allerdings liegt dieser Wert immer noch weit unter jenen 1,1 Billionen Dollar, die es laut Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) auf dem Sektor kohlenstoffarmer Energie zu erreichen gilt. Unterdessen investierte man im Jahr 2013 etwa 950 Milliarden in Öl, Gas und Kohle – ein Wert der sich seit dem Jahr 2000 real verdoppelte.

Erdogan

Whither Turkey?

Sinan Ülgen engages the views of Carl Bildt, Dani Rodrik, Marietje Schaake, and others on the future of one of the world’s most strategically important countries in the aftermath of July’s failed coup.

Der Wert einer Investition beruht größtenteils darauf, wie risikoreich sie empfunden wird. Die Investitionen werden sich nicht entscheidend in Richtung grüne Energiequellen verlagern, sofern und solange Portfolio-Manager nicht beginnen, die Risiken des gefährlichen Klimawandels einzukalkulieren. Für die Anleger gilt es überdies, „Kohlenstoffblasen” zu berücksichtigen, also die Überbewertung von Unternehmen im Bereich fossiler Brennstoffe aufgrund der Annahme, dass diese in der Lage sein werden, die entsprechenden Reserven der Welt bis zur deren völliger Ausbeutung zu verbrennen.

Bis vor kurzem hatten die traditionellen Formen der Energiegewinnung den Vorteil, auf Basis etablierter und ausgereifter Industrien zu funktionieren. Doch das Blatt wendet sich. Staatsfonds und institutionelle sowie private Anleger erkennen zunehmend, dass der Klimawandel ihre Renditen schmälern wird und die Regierungen schließlich die Lösung des Klimaproblems in Angriff nehmen werden.

Auch die Bank of England widmet sich in ihrer Arbeit in bedeutendem Maß der Gefahr, dass Vermögenswerte wie Kohle oder Ölreserven aufgrund politischer Kursänderungen zur Beschränkung des gefährlichen Klimawandels „verloren” sein könnten. Und die Finanzminister der G-20 forderten kürzlich vom Finanzstabilitätsrat, eine umfangreiche Bewertung klimabezogener Risiken und Chancen vorzunehmen. 

Die G-7-Länder sollten klar signalisieren, dass es ihnen mit dem Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft ernst ist und der effektivste Weg in der Unterstützung des globalen Ziels besteht, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Null zu senken. Zudem können Regierungen und Regulierungsbehörden konkrete Maßnahmen ergreifen, um Investitionen des privaten Sektors in sauberere Energieformen zu fördern.

Zunächst sollten sich die Regierungen nach Vorbild des Hippokratischen Eides dazu bekennen, dem Planeten aktiv keinen Schaden zuzufügen. Der neue Bericht zur Klimaökonomie von der Weltkommission für Wirtschaft und Klima, der ich angehöre, unterstreicht die Bedeutung des Abbaus von Subventionen für fossile Brennstoffe und hinterfragt die Rolle der Exportkreditagenturen bei der Finanzierung von Kohleprojekten. Die Regierungen müssen sich eine strikte Frist von vier Jahren setzen, um die Subventionen für fossile Brennstoffe zu streichen und diese Mittel in grüne Infrastrukturprojekte und Entwicklungshilfe umzulenken.

Zweitens gilt es für die Regierungen mit gutem Beispiel voranzugehen. Auf hochrangig besetzte Konferenzen in Addis Abeba und in Paris wird sich heuer noch die Chance bieten, Synergien zwischen dem Kampf gegen den Klimawandel und der Finanzierung von Entwicklungs- und Infrastrukturprojekten zu schaffen. Außerdem sollten Regierungen öffentliche Pensionsfonds dazu anhalten, vor allem im Hinblick auf das Klima verantwortungsvoll zu investieren. Auch der Markt für grüne Anleihen könnte durch die Begebung grüner Staatsanleihen aktiver unterstützt werden. 

Drittens müssen Regierungen politische Rahmenwerke zur Förderung kohlenstoffarmer Investitionen schaffen. Von entscheidender Bedeutung dabei ist, einen Preis für CO2 festzusetzen. Der zwar langsame, aber stetige Fortschritt den die Länder dabei erreichen, ist durchaus ermutigend. Unterdessen sollten sich die Regierungen im Rahmen ihrer Entscheidungsfindungsprozesse eines Schattenpreises und eines Diskontsatzes für CO2 bedienen.

Darüber hinaus gilt es für Regierungen und Regulierungsbehörden, Maßnahmen zur Sicherstellung nachhaltiger Praktiken auf dem Finanzsektor zu ergreifen. Dazu zählt die Jahresberichterstattung durch Unternehmen und Anleger zu ökologischen und sozialen Themen sowie zu Fragen der Governance ebenso wie die Erarbeitung von Due-Diligence- und Risikomodellen im Hinblick auf Gefahren für die Umwelt. Außerdem ist die Berücksichtigung möglicher verlorener Vermögenswerte systemisch auszubauen.

Schließlich sollten politische Entscheidungsträger Partnerschaften und neue Instrumente fördern, mit denen die Wirtschaft in Richtung kohlenstoffarmer Alternativen gelenkt werden kann. Entwicklungsbanken können beispielsweise hilfreich sein, Investitionen des privaten Sektors zu hebeln. Und neue Institutionen wie die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank sind in der Lage, Nachhaltigkeit zu einem Kernmandat zu machen.

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Die Gestaltung des Übergangs von einer auf fossilen Brennstoffen beruhenden Wirtschaft in Richtung kohlenstoffarmer Alternativen wird nicht leicht zu bewerkstelligen sein. Aber aus diesem Grund ist es von entscheidender Bedeutung, heute damit zu beginnen. Für die G-7 ist es an der Zeit, ihre Verantwortung zu erkennen und die Welt in eine nachhaltige Zukunft zu führen. 

Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier