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Freiheit statt Demokratie für Russland

In diesem Monat vor fünfundzwanzig Jahren begann Michail Gorbatschow seine Perestroika- und Glasnost-Politik, die das Ende des Kalten Krieges herbeiführte. Jetzt jedoch hat eine neue Kälte in die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen Einzug gehalten. Präsident Wladimir Putin wird oft dafür kritisiert, Russland in die falsche Richtung zu führen. Genau den Leuten, die Putin im Jahr 2000 einen Mann nannten, mit dem man Geschäfte abschließen konnte, kommen jetzt Zweifel. Menschen, die einst von Putin fasziniert waren, tadeln ihn nun öffentlich.

Putin feuert zurück und wirft dem Westen vor, er versuche, Russland zu schwächen und zu zersplittern. Während westliche Politiker ihn mit Mugabe oder Mussolini vergleichen, führen Putins Helfer im Kreml die Beschwichtiger von München ins Feld, die versuchten, Hitler nach Osten zu treiben. Putin selbst beschuldigte den Westen einmal, zu versuchen, den muslimischen Radikalismus nach Russland zu lenken.

Warum diese heftige Änderung im Ton? Anfänglich griffen die meisten Nationen, die sich vom Kommunismus trennten, fast instinktiv auf die Zeit direkt vor dem Kommunismus zurück. Die baltischen Staaten legten ihre Verfassungen aus den 1930ern neu auf, die Armenier und die Aserbaidschaner ließen ihre Parteien von vor 1920 wieder aufleben, und Osteuropa wurde, mit Ausnahme von Ostdeutschland, das sich mit der Bundesrepublik wiedervereinigte, plötzlich wieder zu Mitteleuropa.

Dieses Wiederaufleben der Vergangenheit bereitete den Westeuropäern und Amerikanern große Sorge. Sie fürchteten ein erneutes Aufflammen geschichtlicher Feindschaften und Spannungen, wie sie im ehemaligen Jugoslawien tatsächlich zum Vorschein kamen. Die Befürchtungen untermauerten die parallele Erweiterung der NATO und der Europäischen Union.