Homeless people in England Barcroft Media/Getty Images

Strafsache freier Marktkapitalismus

OXFORD – Der freie Marktkapitalismus steht unter Anklage. In Großbritannien bezichtigt der Chef der Labour Party, Jeremy Corbyn, den Neoliberalismus schuld daran zu sein, dass die Obdachlosigkeit steigt, Kinder in die Armut abgleiten und die Löhne unter das Existenzminimum fallen. Dagegen führt die konservative Premierministerin Theresa May das immense Potenzial einer offenen, innovativen, freien Marktwirtschaft ins Treffen. Ähnliche „Verfahren“ werden auf der ganzen Welt geführt. 

Vor nur einem Vierteljahrhundert schien die Diskussion über Wirtschaftssysteme – staatlich gesteuerter Sozialismus oder liberale Demokratie und Kapitalismus – beigelegt. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion war der Fall gelöst – so hatte es zumindest den Anschein.

Seit damals widerlegte der Aufstieg Chinas die Ansicht, wonach eine staatlich geführte Strategie immer scheitert und die globale Finanzkrise ließ die Gefahren unzureichend regulierter Märkte zu Tage treten. Im Jahr 2017 verfügen wenige der weltweit am schnellsten wachsenden Ökonomien (Äthiopien, Usbekistan, Nepal, Indien, Tansania, Dschibuti, Laos, Kambodscha, Myanmar und die Philippinen) über freie Märkte. Und zahlreiche freie Marktwirtschaften leiden unter verlangsamtem Wachstum und rasch steigender Ungleichheit.

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