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Freier Markt für Babys?

LONDON – Muss Indien erneut um seine Unabhängigkeit kämpfen? Dieses Mal ginge der Kampf nicht gegen den britischen Kolonialismus, sondern eher gegen den britischen Ansatz zur Regulierung reproduktiver Medizin. Indien denkt momentan über eine Art Vermittlungsdienst für westliche Paare nach, die indische Leihmütter engagieren möchten. Und die britische Regierung hat angekündigt, zwei führende medizinische Aufsichtsbehörden zu schließen.

Während diese Länder sich weiter in Richtung freier Märkte für reproduktive Medizin bewegen, überprüft Frankreich momentan alle bioethischen Gesetze – und setzt weiterhin auf ein anderes Modell, das auf sozialer Gerechtigkeit und dem Schutz gefährdeter Frauen beruht. Die französische Nationalversammlung ist der Ansicht, dass es Alternativen dazu gibt, lediglich den Markt entscheiden zu lassen.

Irgendwann werden solche Debatten und Kontroversen über Fortpflanzungsrechte oder -Pflichten in vielen Ländern zum Thema werden. Also muss geklärt werden, was bei der Regulierung oder Deregulierung von In Vitro-Befruchtung (IVF), Eizellenverkauf und Leihmutterschaft auf dem Spiel steht.

Insbesondere amerikanische Beobachter könnte es überraschen, dass der britische Ansatz als “freier Markt” bezeichnet wird. Schließlich ist in Großbritannien die direkte Bezahlung für Eizellen verboten, während in den USA um die “Konsumentennachfrage” herum ein hochdifferenzierter Markt entstanden ist. Und in Großbritannien gibt es eine nationale Regulierungsbehörde für IVF, in den USA dagegen lediglich einen Flickenteppich von bundesstaatlichen Verordnungen (wenn überhaupt).