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Das letzte Bollwerk gegen den Populismus

JERUSALEM – Kurz nach der deutschen Wiedervereinigung, um 1990, fürchteten viele Franzosen Deutschland. Heute ist es andersherum. Aber die Deutschen haben nicht so sehr Angst vor als vielmehr um Frankreich. Als Folge des Brexit-Referendums im Vereinigten Königreich und des Triumphs von Donald Trump Anfang des Monats könnte auch die Präsidentschaftswahl in Frankreich destruktiven populistischen Kräften zum Opfer fallen, wenn die Wähler Marine Le Pen von der rechtsextremen Front National zu ihrer Präsidentin machen.

Vielleicht fühlen sich die Deutschen geschmeichelt, wenn die amerikanischen Medien Angela Merkel die “letzte Verteidigerin des liberalen Westens” nennen – eine Insel der Stabilität in einem Ozean des Chaos“. Aber es ist eine Sache, als Klassenbester dargestellt zu werden – daran ist Deutschland gewöhnt -, und eine ganz andere, der einzige Schüler zu sein.

Ohne die USA sind in der Tat nicht mehr viele Musterschüler übrig. Obwohl Trump von einigen seiner radikalsten Wahlkampfversprechen Abstand genommen hat, ist es unwahrscheinlich, dass er sein Motto „America first” – Amerika zuerst – aufgeben wird. Das heißt, dass die USA möglicherweise kurz davorstehen, endgültig mit dem Universalismus und dem globalen Engagement zu brechen, die es 70 Jahre lang charakterisiert haben.

In Europa ist die Situation nicht besser. Polen tritt in Ungarns anti-liberale Fußstapfen und Österreich, ein weiterer Nachbar Deutschlands, steht vielleicht kurz vor der Wahl Norbert Hofers von der rechtsextremen und nationalistischen Freiheitlichen Partei Österreichs zum Präsidenten. Und die Briten sind dabei, die EU endgültig zu verlassen.