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Der aufhaltbare Aufstieg der Marine Le Pen

PARIS – Als ich mir am 13. Dezember im Kreise meiner Familie die Wahlberichterstattung zu den Ergebnissen der Regionalwahlen in Frankreich ansah, überkam mich ein Gefühl der Erleichterung und sogar des Stolzes. Die Partei des Hasses – Marine Le Pens Front National (FN) – hatte in keiner einzigen Region gewonnen. Die Demokratie hatte sich durchgesetzt. Die Werte der Republik hatten triumphiert.

Auf den Tag genau einen Monat, nachdem Terroristen in Paris 130 Menschen ermordeten, zeigten die Franzosen einmal mehr ihren klarsichtigen Stoizismus. Genau so, wie meine Landsleute angesichts des Terrorismus stark geblieben waren, zeigten sie auch gegenüber den Sirenenklängen eines giftigen Populismus Standhaftigkeit. Als sich die Ergebnisse des Urnengangs abzeichneten, lehnte sich mein ältester Sohn zu mir hinüber und flüsterte mir ins Ohr: „In Momenten wie diesem fühlt es sich richtig gut an, Franzose zu sein.“

Allerdings, so willkommen dieses Wahlergebnis auch sein mag: Wir sollten nicht zulassen, dass es uns blind macht für die Botschaft des ersten Wahlgangs, in dem der FN in sechs der 13 Regionen auf den ersten Platz kam. Die französischen Wähler sind zutiefst desillusioniert von den etablierten Parteien. Seit der Präsidentschaftswahl 2012 hat Le Pen die Unterstützung ihrer Partei, für die diesmal fast sieben Millionen Wähler stimmten, verdreifachen können. Und doch: So alarmierend ihr rapider Aufstieg sein mag – man kann aus ihrer klaren Niederlage eine Menge lernen.

Zunächst einmal ist der Versuch des FN, sich als normale politische Partei darzustellen, gescheitert. Trotz der Versuche Le Pens, den Tonfall der Partei zu dämpfen und sie für breitere Schichten attraktiv zu machen – sie hat sich zumindest formell von antisemtischen Elementen getrennt –, wird die Partei von der Mehrheit der französischen Wähler weiterhin als Gefahr wahrgenommen.