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gabriel2_Sascha-SchuermannGetty-Images_aachen-treaty Sascha Schuermann/Getty Images

Die französisch-deutsche Freundschaft ist nicht genug

BERLIN – Vor dem Hintergrund des in Aachen erneuerten deutsch-französischen Freundschaftsvertrags ist es ganz interessant, auf die Unterschiede zu schauen zwischen der Beurteilung des binationalen Verhältnisses, als 1963 der Elysée-Vertrag zustande kam, und der heutigen Wahrnehmung des so oft als „Motor der europäischen Einigung“ gelobten deutsch- französischen Tandems.

Im Zentrum des Aachener Vertrags steht die Idee einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft. Das ist nicht neu. Sie wurde bereits 1950, nur fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, zwischen Frankreich und Deutschland diskutiert. Es waren vor allem die USA, die vor dem Hintergrund des Koreakriegs darauf drängten, dass West-Deutschland in ein gemeinsames europäisches Verteidigungsnetz eingebunden werden soll. Der sogenannte Pleven-Plan scheiterte schließlich am französischen Parlament – man fürchtete eine zu große Abhängigkeit von den USA.

Der französische Präsident Charles de Gaulle sah im Elysée-Vertrag in Deutschland einen Wegbereiter einer stärkeren Unabhängigkeit der Westeuropäer von den USA. Er fürchtete, sie könnten zu Vasallen-Staaten der Nordamerikaner werden. Im Elysée-Vertrag kamen deshalb Beziehungen zu den USA, zu Großbritannien, zur Nato oder zu anderen wichtigen internationalen Abkommen gar nicht vor. Das blieb den Vereinigten Staaten natürlich nicht verborgen, so dass auf Druck des US-Präsidenten John F. Kennedy der deutsche Bundestag den Elysée-Vertrag mit einer Präambel versah, die Frankreich und die Bundesrepublik zu einer engen Zusammenarbeit mit den USA und Großbritannien aufforderte. Das wiederrum machte die Idee de Gaulles zunichte, ein Gegengewicht zu den USA zu bauen – und es kam zu Unstimmigkeiten zwischen Frankreich und Deutschland. „Die Deutschen benehmen sich wie Schweine. Sie unterwerfen sich völlig der Herrschaft der Amerikaner. Sie verraten den Geist des französisch-deutschen Abkommens. Und sie betrügen Europa“, hat de Gaulle getobt, so jedenfalls wird es mit Verweis auf den dessen Biograph Alain Peyrefitte zitiert. Später nannte de Gaulle das Verhalten der Deutschen seine „größte Enttäuschung“.

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  1. roach111_westend61_getty images_shipping trade Westend61/Getty Images

    A Global Economy Without a Cushion

    Stephen S. Roach

    From 1990 to 2008, annual growth in world trade was fully 82% faster than world GDP growth. Now, however, reflecting the unusually sharp post-crisis slowdown in global trade growth, this cushion has shrunk dramatically, to just 13% over the 2010-19 period, leaving the world economy more vulnerable to all-too-frequent shocks.

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