0

Der Aufbau der syrischen Opposition

TEL AVIV – Die Krise in Syrien dauert nun schon ein Jahr an. Sie hat bisher etwa 10.000 Todesopfer gekostet, darunter überwiegend Zivilisten, und es ist kein Ende in Sicht. Das Land befindet sich in einer Pattsituation: Die Opposition ist nicht in der Lage, das Regime von Präsident Bashar al-Assad zu stürzen, und Assads Truppen schaffen es nicht, den Widerstand zu ersticken.

Beide Seiten sind hartnäckig: Die Opposition ist entschlossen, ein Regime zu Fall zu bringen, das sie als unrechtmäßig, sektiererisch, korrupt, tyrannisch und blutverschmiert ansieht, während die Hardliner der Regierung glauben, durch Standhaftigkeit die Opposition letztlich unter Kontrolle bringen zu können und durch Zugeständnisse nur ihre eigene Existenz zu gefährden. Sie sind der Meinung, dass der Untergang des Systems für seine Führer und einen großen Teil der alawitischen Gemeinschaft, aus der sie stammen, Enteignung und Tod bedeuten würde.

Assad und seine Riege fühlen sich dadurch bestärkt, dass die Welt nicht in der Lage war, effektiv auf die brutale Unterdrückung der Revolten von Homs zu reagieren, und haben zur Abschreckung drakonische Strafen über die Überlebenden verhängt. Ein Teil der syrischen Zivilbevölkerung wird sich dadurch kurzfristig abschrecken lassen, langfristig werden solche Maßnahmen aber nur den öffentlichen Zorn verstärken und damit die Wahrscheinlichkeit einer blutigen Abrechnung mit Assad und seinen Freunden erhöhen.

Die momentane brutale Pattsituation wird wohl noch eine Weile andauern. Ebenso, wie frühere Bemühungen der internationalen Gemeinschaft und der Arabischen Liga, den Konflikt beizulegen oder eine politische Lösung herbeizuführen, gescheitert sind, scheinen auch die diplomatischen und humanitären Missionen unter dem ehemaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, und der gegenwärtigen UN-Untergeneralsekretärin für humanitäre Angelegenheiten, Valerie Amos, keinen Erfolg zu haben.