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Wird der Markt zur Geisel der Hacker?

NEW YORK – Nie zuvor in der Geschichte der schriftlichen Kommunikation waren 140 Zeichen so einflussreich wie heute. Nachdem es einer Gruppe namens „Syrian Electronic Army“ (Syrische Elektronische Armee, SEA) vor zwei Wochen gelungen war, sich Zugriff auf das Twitter-Konto der Nachrichtenagentur Associated Press (@AP) zu verschaffen, verbreiteten die Hacker eine Falschmeldung über Twitter, in der sie zwei Explosionen im Weißen Haus und eine Verletzung von Präsident Barack Obama verkündeten. Innerhalb von Sekunden gingen die Kurse an den US-Finanzmärkten auf Talfahrt.

Wenige Minuten später wurde die Meldung auf Twitter als falsch widerlegt. Reporter im Weißen Haus twitterten, dass sie keine Explosion gespürt hätten, AP-Reporter dementierten die Falschmeldung und auf dem Twitter-Konto von AP wurde bekanntgegeben, dass @AP gehackt wurde. Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, bestätigte, dass Präsident Obama wohlauf ist. Die Börsenkurse kehrten auf ihr Niveau vor der Falschmeldung zurück.

Die Twitter-Falschmeldung auf @AP steht für ein unvermeidliches Systemrisiko, das aus dem Zusammenspiel von hochgradig integrierten Finanzmärkten und einer zunehmend demokratisierten Nachrichtenverbreitung erwächst. Der Anreiz für böswillige Dritte, derartige Falschmeldungen zu verbreiten ist hoch, und wir sollten davon ausgehen, dass die Zahl der Vorfälle zunehmen wird.

Finanzmärkte sind anfällig für Manipulationen, weil es nicht zu ihren Aufgaben zählt, die Wahrheit zu beurteilen. Beim Handel auf Finanzmärkten werden schnell entschlossene first mover oftmals belohnt, und schnell sein kann sich auch dann noch als profitabel erweisen, wenn man falsch gelegen hat.