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Die Fallen der Geldpolitik und der Inflationsbekämpfung

CHICAGO – In den Vereinigten Staaten sind sämtliche Waren und Dienstleistungen von Preiserhöhungen betroffen und die Inflation macht sich auch bei allgemeinen Vorleistungen wie Transport, Energie und zunehmend auch beim Faktor Arbeit bemerkbar. Welche Reaktion ist nun von den Zentralbanken zu erwarten?

Die US-Notenbank Federal Reserve betont, dass sie eine Anhebung der Zinssätze erst in Erwägung ziehen wird, wenn sie ihre monatlichen Ankäufe von Vermögenswerten beendet hat. Angesichts des derzeitigen Ausstiegstempos wird das irgendwann im Juli 2022 der Fall sein. Einige Mitglieder des über die Zinspolitik entscheidenden Offenmarktausschusses befürchten jedoch, dass die Zentralbank zu diesem Zeitpunkt hinter der Entwicklung zurückgeblieben und damit gezwungen sein wird, die Zinssätze abrupter und für einen längeren Zeitraum als erwartet anzuheben. So hat auch der stellvertretende Fed-Vorsitzende Richard Clarida jüngst angedeutet, dass die Fed bei ihrer nächsten Sitzung im Dezember möglicherweise eine Beschleunigung der Rückführung der Anleihenkäufe in Erwägung ziehen wird (um die Zinsen früher anheben zu können).

Trotz der wachsenden (aber vielfach unausgesprochenen) Befürchtungen der Fed geben sich die Zentralbanker heute zugeknöpft, wenn es darum geht, die Inflation als Problem zu betrachten. In der Vergangenheit hätten sie sich im Falle einer Inflation wie sie derzeit herrscht, entschlossen vor die Fernsehkamera gestellt und es so – oder so ähnlich - formuliert: „Wir hassen Inflation und wir werden sie bekämpfen“. Heute suchen sie eher Ausreden für die Inflation und versichern der Öffentlichkeit, dass sie einfach wieder verschwinden wird.  

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