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cunliffejones1_MihajloMaricicGettyImages_journalistwritingmicrophones Mihajlo Maricic/Getty Images

Wie man mit Faktenprüfung den Kampf gegen Falschinformation gewinnt

JOHANNESBURG – Nach Angaben der Faktenprüfer bei der Washington Post hat US-Präsident Donald Trump seit seiner Amtsübernahme über 13.000 falsche oder irreführende Behauptungen aufgestellt. Kein Wunder, dass einige Menschen bezweifeln, eine Prüfung der Fakten in den Behauptungen der Politiker sei die Antwort auf die Probleme in diesem Zeitalter der Falschinformation. 

Als sich Politiker und Journalisten aus Europa, den Amerikas, Afrika und Asien im Juli in London zur globalen Konferenz für die Freiheit der Medien einfanden, waren sie sich einig, dass die Zunahme von Falschinformationen zum schwindenden öffentlichen Vertrauen gegenüber Politiker und Medien beiträgt. Wirksame Lösungen wurden allerdings auch nicht vorgebracht. Auch auf der Konferenz Les Rencontres Économiques d’Aix-en-Provence 2019, wo sich die politische und wirtschaftliche Elite Europas ebenfalls im Juli traf, sah man wenige Optionen für die Erneuerung des Vertrauens.

Das heißt allerdings nicht, dass es diese Möglichkeiten nicht gibt. Als Vorsitzende oder Gründer von Fact-Checking-Organisationen in Afrika, Lateinamerika und Europa wissen wir, dass unsere Arbeit eine wichtige Rolle dabei spielen kann, den Auswirkungen von Falschinformationen entgegenzuwirken und das Vertrauen in verlässliche Quellen wiederherzustellen.

Diesem Anspruch zu genügen, erfordert in erster Linie ein umfassendes Verständnis der Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind. Die meisten der weltweit 200 Fact-Checking-Organisationen operieren auf Grundlage der Annahme, dass die Öffentlichkeit insgesamt überzeugt werden kann, eine falsche Ansicht zu revidieren, wenn man korrigierte Informationen vorlegt.

Wenig überraschend zielen die meisten wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich Faktenprüfung darauf ab, erwähnte Annahme zu überprüfen. Die Ergebnisse präsentieren sich vielversprechend. Obwohl niemand behaupten konnte, die Versorgung der Menschen mit korrekten Informationen garantiere, dass diese ihre Ansichten ändern, haben Studien mehrfacht gezeigt, dass Faktenprüfungen der Öffentlichkeit helfen, ihr Verständnis der Behauptungen zu ändern, und zwar auch dann, wenn neu gewonnene Erkenntnisse einer festen Überzeugung widersprechen.

Es reicht jedoch nicht aus, diese Faktenchecks einfach zu veröffentlichen. Zunächst gilt es festzustellen, dass es selbst mit den umfassendsten Ressourcen nicht möglich wäre, alle jene zu erreichen, die eine zu korrigierende Falschinformation gesehen haben und ihnen unseren Faktencheck zu präsentieren. Überdies kursieren einfach zu viele Falschmeldungen im Internet und in der öffentlichen Debatte, um jede Behauptung einer Faktenprüfung zu unterziehen.  

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Aus diesem Grund müssen Faktenprüfer nicht nur wesentliche Falschinformationen identifizieren und korrigieren, sondern auch mit Politikern, den traditionellen Medien, Social-Media-Plattformen und anderen relevanten Institutionen in Verbindung treten, um die Menge an Falschmeldungen zu reduzieren. Das heißt, sich an Personen des öffentlichen Lebens zu wenden, um offizielle Berichtigungen zu beantragen, Beschwerden bei Normungsgremien einzureichen und die Mitarbeiter von Medienunternehmen zu schulen. Darüber hinaus bedeutet es, mit Tech-Unternehmen zusammenzuarbeiten, um Möglichkeiten zu finden, die – auch grenzüberschreitende - Ausbreitung von Falschmeldungen zu verhindern.

Gleichzeitig sollten sich Fact-Checking-Organisationen nicht nur auf die Bekämpfung falscher Informationen konzentrieren, sondern auch Quellen zuverlässiger Informationen ausfindig machen und sie ihren Lesern und Followern präsentieren. Und wir sollten mit Schulen und anderen Bildungsplattformen zusammenarbeiten, um den Menschen zu helfen, falsche oder irreführende Behauptungen zu erkennen. Diesen Ansatz verfolgen unsere Organisationen und - so klein und unterfinanziert sie auch sind – die Wirkung ist bereits erkennbar.

So äußerte beispielsweise Ibrahima Diouf, der für das Parteiprogramm einer der wichtigsten politischen Parteien des Senegals, der Parti de l’Unité et du Rassemblement, zuständige Ökonom gegenüber einem Forscher der Universität Dakar, dass die Verfasser von Parteiprogrammen dank der Arbeit des Teams von Africa Check der Richtigkeit von Zahlen nun mehr Aufmerksamkeit schenken.

In ähnlicher Weise erklärte die Geschäftsführerin des in Südafrika regierenden Afrikanischen Nationalkongresses, Febe Potgieter-Gqubule, im Rahmen einer öffentlichen Versammlung, dass Africa Check „eine wichtige Rolle spielt“, wenn es darum geht, politische Parteien und deren Vorsitzende rechenschaftspflichtig zu machen. Ein paar Monate zuvor revidierte der South African Police Service nach einer Intervention von Africa Check offiziell die nationale Verbrechensstatistik und räumte ein, dass die Daten schlechter seien als ursprünglich angegeben. Die Einbindung von führenden Persönlichkeiten zur Verringerung des Nachschubs an Falschinformation funktioniert also.

Gleichzeitig entwickelte die argentinische Fact-Checking-Organisation Chequeado das erste Programm des Landes, mit dem jungen Menschen kritisches Denken und Kompetenzen des Nachrichtenverständnisses vermittelt werden. Die Ergebnisse dieser Bestrebungen, junge Menschen gegen schädliche Falschinformationen zu immunisieren, präsentierten sich ähnlich wie in einer Studie aus dem Jahr 2016, in der deutlich wurde, dass schulpflichtige Kinder in Uganda, nachdem ihnen ähnliche Fähigkeiten vermittelt worden waren, zwischen guten und schlechten Gesundheitsinformationen zu unterscheiden wussten.

Schließlich erfordert die wirksame Überprüfung von Fakten, dass Anstrengungen unternommen werden, um den Zugang der Öffentlichkeit zu verlässlichen Informationen zu verbessern. Im Vereinigten Königreich beispielsweise arbeitete Full Fact mit dem nationalen Statistikamt zusammen – nicht nur, um die Daten des Amtes einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sondern auch, um sie in einer für die Öffentlichkeit verständlichen Form bereitzustellen.

Obwohl wir das Ausmaß der Bedrohung aufgrund von Falschinformation, schwindendem Vertrauen oder der Komplexität ihrer Ursachen nicht unterschätzen sollten, ist das Problem jedoch bei weitem nicht so unlösbar wie manche zu glauben scheinen. Wenn man sich nicht nur mit den Symptomen der Falschinformation und des Misstrauens befasst, sondern auch mit den zugrunde liegenden systemischen Problemen kann es Fact-Checking-Organisationen,  Medien, staatlichen Behörden und Unternehmen gelingen, sich diesen besorgniserregenden Trends zu widersetzen.

Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier

https://prosyn.org/bmGbZmZde;
  1. bildt70_SAUL LOEBAFP via Getty Images_trumpukrainezelensky Saul Loeb/AFP via Getty Images

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