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Vor einer drohenden Deflation

Viele Zentralbankiers gleichen dem sprichwörtlichen General, der noch so plant wie im letzten Krieg. Aber im Gegensatz zur rückwärtsgewandten Militärstrategie verursacht eine fehlerhafte Finanzpolitik nicht nur beunruhigende Risiken sondern unvermeidlich auch Schaden.

Obwohl sie die Inflation gemeistert haben, bekämpfen die Zentralbankiers sie noch immer und dürften darüber versäumen, die jüngste wirtschaftliche Bedrohung anzugehen - die globale Deflation . Fallende Preise lähmen Japans Wirtschaft nun schon seit einem Jahrzehnt. China und Hongkong erlebten erst kürzlich Preisstürze. Wenn sich die reichsten Nationen der Welt in Kanada zum jährlichen G-7-Treffen versammeln, sollten sich ihre Führer fragen, ob nicht den USA und Europa ein ähnliches Schicksal bevorsteht.

Mit einer vernünftigen Politik sollte es nicht schwierig sein, die Deflation in ihre Schranken zu weisen. Einige meinen, dass rasche Produktivitätszuwächse durch neue Technologie, vermehrter Wettbewerb wegen der Globalisierung und der vermehrte Handel über das Internet ein Umfeld schüfen, in dem Firmen ständig gezwungen wären, ihre Preise zu senken. Aber solchen Annahmen liegt ein Trugschluss zugrunde. Offensichtlich bestimmen andere wirtschaftliche Kräfte als die Finanzpolitik eines Landes das Verhältnis der Preis, die verschiedene Güter und Dienstleistungen unter einander haben sollten - und schließlich ungeachtet der Finanzpolitik auch haben. Aber diese Kräfte bestimmen nicht den absoluten Preis eines Gutes (sagen wir, in Dollar).

Der absolute Preis eines Gutes wird von der Finanzpolitik auf eine Weise bestimmt, die weitgehend unabhängig von der Struktur der relativen Preise ist. Die einzige Ausnahme ist, wenn sich die Finanzpolitik eher auf die Preise bestimmter Güter konzentriert statt auf die Stabilisierung eines breiten Preisindexes.