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Erschöpftes Italien

Italien steht vor seinem vielleicht wichtigsten Wahlgang seit 1948, als die Wähler die Wiedererstehung der Republik aus den Trümmern des faschistischen Mussolini-Regimes bestätigten. Am 9. und 10. April müssen sich die Italiener zwischen der Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi und dem Mitte-Links-Bündnis unter dem Vorsitz von Romano Prodi entscheiden. Allerdings scheint keiner der beiden jene entschlossene Persönlichkeit zu sein, die notwendig wäre, um Italiens trostlose Wirtschaftslage zu überwinden.

Die wirtschaftliche Malaise Italiens ist offensichtlich. In den letzten fünf Jahren wies man das langsamste kumulative Wirtschaftswachstum in der gesamten Eurozone auf - 3,2 % verglichen mit dem Durchschnittswert von 7, 8 % - und zwei Jahre herrschte überhaupt Stagnation. Auch das Pro-Kopf-BIP fiel unter den Durchschnittswert der Eurozone. Die Beschäftigungszahlen sind zwar gestiegen, aber die Arbeitsproduktivität blieb schwach und die Faktorproduktivität nahm insgesamt ab. Zusammen mit der starken realen Währungsaufwertung führte dies zu einem dramatischen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und einer Schwächung der Exporte. Der einzige Wachstumsmarkt scheinen noch die Bücher über den Niedergang Italiens zu sein.

Berlusconi behauptet, die Statistiken wären zweifelhaft, denn sie verschleiern die viel rosigere Realität der Italiener, denen es heute sehr gut geht. Andere Regierungsmitglieder räumen zwar pragmatisch ein, dass Italien vor ernsthaften Problemen steht, deren Ursachen sie jedoch außerhalb ihres Einflussbereichs sehen. Schuld an der Misere seien eine Reihe von globalen wirtschaftlichen Schocks, ein wirtschaftlicher Abschwung in Kontinentaleuropa, die Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation und die Rolle des Euro.

Solche Erklärungen überzeugen allerdings nicht. Ebenso wie die Aufnahme Chinas (und anderer asiatischer Staaten) in die WTO erfassten die globalen Schocks alle europäischen Länder gleichermaßen. Allerdings waren die französischen Exporte beispielsweise davon viel weniger betroffen und die deutschen Exporte stiegen sogar an. Zugegeben: Das europäische Wachstum wurde durch das dürftige Wachstum in Deutschland beeinträchtigt, aber Italien wuchs marginal weniger als Deutschland. Und obwohl der Euro den kompetitiven Abwertungen einen Riegel vorschob, hat er Italien dennoch einen beträchtlichen Vorteil beschert, nämlich eine Senkung der Zinsleistungen im Ausmaß von 6 % des BIP, die aus den in den 1990er Jahren angehäuften enormen Staatsschulden stammten.