Amelie Querfurth/AFP/Getty Images

Die Eurozone muss sich reformieren – oder sie wird untergehen

OXFORD – Gibt es angesichts der Wahl eines reformorientierten gemäßigten Präsidenten in Frankreich und der immer wahrscheinlicher scheinenden Wiederwahl von Bundeskanzlerin Angela Merkel Hoffnung für das ins Stocken geratene Gemeinschaftswährungsprojekt in Europa? Möglicherweise. Wahrscheinlicher jedoch erscheint ein weiteres Jahrzehnt langsamen Wachstums, durchbrochen durch periodische schuldenbedingte Erschütterungen. Ein entschlossener Schritt hin zu einer Fiskal- und Bankenunion könnten die Lage deutlich verbessern. Doch ohne Maßnahmen zur Stärkung von Stabilität und Nachhaltigkeit überwiegt die Wahrscheinlichkeit eines letztlichen Zusammenbruchs deutlich.

Es stimmt, dass kurzfristig viel Grund für Optimismus besteht. Die Eurozone hat während des vergangenen Jahres eine solide zyklische Erholung erlebt und die Erwartungen stärker als jede andere hochentwickelte Volkswirtschaft übertroffen. Und die Wahl von Emmanuel Macron ist tatsächlich ein Meilenstein, der Hoffnungen weckt, dass Frankreich seine Volkswirtschaft ausreichend wiederbeleben kann, um ein echter, gleichwertiger Partner Deutschlands bei der Lenkung der Eurozone zu werden. Macron und sein Wirtschaftsteam stecken voller vielversprechender Ideen, und er wird über eine enorme Mehrheit in der Nationalversammlung verfügen, um sie umzusetzen (wobei es hilfreich wäre, wenn Deutschland ihm im Austausch für die Reformen Spielraum für Haushaltsdefizite lässt). Auch in Spanien führen Wirtschaftsreformen zu stärkerem langfristigem Wachstum.

Aber es ist nicht alles gut. Es gibt kaum Wachstum in Griechenland, und das nach einer der schlimmsten Rezessionen der jüngsten Geschichte. Wer dies auf die deutsche Sparpolitik schiebt, hat sich die Zahlen eindeutig nicht angesehen: Mit Ermutigung linksgerichteter US-Ökonomen hat Griechenland das vielleicht sanfteste Rettungspaket in der modernen Geschichte miserabel gehandhabt. Viel besser als Griechenland hat sich Italien entwickelt, doch das ist ein zweifelhaftes Kompliment: Die italienischen Realeinkommen sind heute tatsächlich niedriger als vor einem Jahrzehnt (auch wenn sich das angesichts der enormen Schattenwirtschaft schwer genau sagen lässt). Für Südeuropa insgesamt hat sich die Gemeinschaftswährung als goldener Käfig erwiesen, der mehr haushalts- und geldpolitische Disziplin erzwungen, aber den Wechselkurs als wichtiges Polster gegen unerwartete Erschütterungen abgeschafft hat.

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